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MITARBEITER-ENGAGEMENT FÜR DIE ENERGIEWENDE IN UNTERNEHMEN

20.11.2014, 11:00 - 17:00 Uhr, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Neckarsteige 6-10, 72622 Nürtingen

Workshop im Rahmen des Forschungsprojekts enEEbler zum Austausch und zur Weiterentwicklung des Themas Mitarbeiter-Engagement für erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Viele Menschen zeigen privates Interesse und gesellschaftliches Engagement für einen nachhaltigen Lebensstil und die Energiewende. Im BMBF-Forschungsprojekt „enEEbler – Mitarbeiter-Engagement für Erneuerbare Energien in Unternehmen" der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, der Hochschulefür Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen-Geislingen und dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) wird derzeit untersucht, wie Unternehmen das Engagement ihrer Mitarbeiter aufgreifen und in die Entwicklung innovativer Ideen und Geschäftsmodelle einfließen lassen können.

Wie persönliches Engagement für Umweltschutz und Energiewende auch in den beruflichen Kontext eingebracht und damit für beide Seiten – Unternehmen und Mitarbeiter – nutzbar gemacht werden kann, wurde am 20. November 2014 in einem Workshop in Nürtingen im Rahmen des Forschungsprojekts mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis diskutiert.

B.A.U.M. e.V. - Vorstandsmitglied Dieter Brübach stellt das neue Instrument der Regionalen EnergieEffizienzGenossenschaften (REEG) vor und erörtert die Möglichkeiten der Mitarbeiter-Beteiligung.Den aktuellen Stand des Forschungsprojekts ‚enEEbler‘ präsentierte Prof. Dr. Carsten Herbes. Auf Basis von Interviews mit engagierten Mitarbeitern wurden u.a. Barrieren identifiziert, die die Übertragung des privaten Engagements in das Unternehmensumfeld behindern. Hinsichtlich eines der zentralen Hindernisse, der geringen Rendite aus Energie-Effizienzmaßnahmen, gibt es bereits erste Lösungsansätze wie die Regionale EnergieEffizienzGenossenschaft (REEG). Dieter Brübach (Vorstandsmitglied des B.A.U.M. e.V.) stellte das neue Instrument vor und erörterte die Möglichkeiten der Mitarbeiter-Beteiligung. Dieser Lösungsansatz sieht vor, dass  Energie-Effizienz-Projekte in Unternehmen mit genossenschaftlich organisierten Investitionen finanziert werden, wobei die Einsparungsquoten direkt an die Genossenschaftsmitglieder zurück fließen. Ein gutes Praxisbeispiel lieferte die Stieber Druck GmbH, bei der durch Neugestaltung der Beleuchtungsanlagen 40 Prozent an Energie eingespart und die Lichtausbeute um rund 50 Prozent gesteigert werden konnte. Eine weitere Form, um Mitarbeiter-Engagement für die Energiewende in Unternehmen zu fördern, sind Belegschafts-Energiegenossenschaften,die besonders für die Realisierung von Projekten mit Erneuerbaren Energien gegründet werden. Dr. Jens Clausen (Borderstep Institut) stellte die Gründungsgeschichten und Entwicklungsformen der im Projekt untersuchten Belegschafts-Energiegenossenschaften vor. Der dazu gehörige Leitfaden Belegschaftsenergiegenossenschaften kann hier abgerufen werden.

Am Nachmittag fanden zwei Arbeitsgruppen zu ausgewählten Themen aus dem Projekt statt:

Prof. Dr. Carsten Herbes und Anja Gräf von der HfWU moderierten den ersten Workshop, in dem es um mitarbeiterinitiierte und -finanzierte Projekte in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Unternehmen ging. Eine wichtige Frage für die Mitarbeiter ist, in welchem Rahmen sie die Finanzierung solcher Projekte umsetzen wollen. Hier gibt es neben den schon am Vormittag vorgestellten Belegschafts-Genossenschaften weitere Optionen. Über seine Erfahrungen mit mitarbeiterfinanzierten EE-Anlagen in der Rechtsform der GbR berichtete Karl-Heinz Müller von Bau-Fritz. Aber auch ganz andere Settings sind denkbar, wie der BAUM-Zukunftsfonds sowie Crowdfunding über die Crowdinvesting-Plattform bettervest, die von Marilyn Heib vorgestellt wurde. Crowdfunding erscheint auf den ersten Blick nichts mit mitarbeiterfinanzierten Projekten zu tun zu haben, bettervest eröffnet aber die Möglichkeit, die Auktion zunächst auf die Mitarbeiter eines Unternehmens zu beschränken und nur wenn die geplante Finanzierungssumme nicht zu Stande kommt, weitere Interessierte einzuladen. Im Workshop wurden die Unterschiede zwischen den Optionen herausgearbeitet. So kann in Genossenschaften z.B. eine basisdemokratische Entscheidungsfindung umgesetzt werden, wohingegen die Mitarbeiterin der Crowdfunding-Alternative lediglich das Geld geben, aber das Projekt im Anschluss durch das Unternehmen umgesetzt wird. Auch in den Kosten bestehenerhebliche Unterschiede: So haben typische Investoren bei bettervest eine höhere Verzinsungserwartung als Mitglieder von Belegschaftsgenossenschaften. Darüber hinaus fallen bei bettervest einmalig Verwaltungskosten von 10% der Investitionssumme plus 1% pro Jahr an. Die Gegenüberstellung dieser Alternativen soll im Projekt weiter ausgearbeitet werden, um Mitarbeitern, die ein Projekt bei ihrem Arbeitgeber realisieren wollen, eine gut fundierte Entscheidung über das geeignete Vehikel zu ermöglichen.

Die zweite Frage, die die Teilnehmer intensiv diskutierten, war die nach geeigneten Erlösmodellen. Das bisherige Erlösmodell der meisten Belegschaftsgenossenschaften, nämlich die Errichtung einer Photovoltaikanlagemit Einspeisung nach EEG ist mit dem EEG 2014 wirtschaftlich in den meisten Fällen uninteressant geworden. Prof. Herbes stellte verschiedene Optionen wie Eigenverbrauchsmodelle, lokalen Direktverbrauch (Direktlieferung) und Pachtmodelle vor. Diese sind auch in einem kürzlich erschienenen Artikel des enEEbler-Teams dargestellt. Oliver Faltus und Nils Refle von ProEngeno, die selbst schon eine Belegschaftsgenossenschaft umgesetzt haben, berichteten von den energierechtlichen Pflichten und Verwaltungsaufgaben bei solchen Modellen und dass so etwas mit ehrenamtlichen Vorständen allein nicht mehr leistbar sei. Es gibt aber diverse Dienstleister, unter anderem die ProEngeno selbst, die als Abwickler im Hintergrund diese Aufgaben erfüllen können. Es wurde deutlich, dass gerade in mittelständischen Betrieben, die höhere Strompreise bezahlen als Großunternehmen, ein finanzieller Spielraum besteht. Das heißt, die Mitarbeiter können in ihrer Anlage den Strom unter Nutzung von Direktlieferungsmodellen z.T. so günstig erzeugen und an das Unternehmen liefern, dass dieses für den grünen Strom nicht oder kaum mehr bezahlen muss als bei seinem bisherigen Versorger.

Trotz der viel beklagten Änderungen im EEG gibt es also sowohl auf der Finanzierungs- als auch auf der Absatzseite verschiedene Modelle, die wirtschaftlich sinnvoll sind und mitarbeiterfinanzierte EE-Anlagen im Unternehmenskontext ermöglichen. Welches davon am besten geeignet ist, muss nach den Kontextfaktoren im jeweiligen Unternehmen entschieden werden.

Die zweite Arbeitsgruppe zu dem Thema Mitarbeiter-Beteiligung, Unternehmenskultur und Innovationsmanagement wurde von Prof. Dr. Susanne Blazejewski (Alanus Hochschule) und Caroline Paulick-Thiel (nextlearning) moderiert. Prof. Dr. Blazejewski stellte zunächst den Ansatz desen EEbler-Projekts zum Zusammenhang von Mitarbeiterengagement, Innovationsorientierung und Unternehmenskultur vor. Die Kultur umfasst dabei drei Ebenen:

  • Die sichtbare Handlungsebene: Wie handeln wir? Sind Initiativen von Mitarbeitern zur Energiewende möglich und werden sie durchgeführt?
  • Die Ebene der Reflexion, der Ziele und Werte: Was ist uns wichtig? Bieten z.B. die Leitwerte des Unternehmens und die Diskurse der Führungsebenen Anknüpfungspunkte und Unterstützung für Mitarbeiterengagement zur Energiewende?
  • Die Ebene der (unbewussten) Haltungen, die letztlich handlungsbestimmend sind: Was bewegt uns wirklich? Nehmen Mitarbeiter im Unternehmen Nachhaltigkeit tatsächlich als zentralen Bestimmungsfaktor wahr? Arbeiten wir glaubwürdig an der nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens oder folgen wir nur gesellschaftlichen Konventionen?

Caroline Paulick-Thiel (nextlearning e.V.) und Franziska Dittmer (Alanus Hochschule) präsentieren die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zum Thema „Mitarbeiter-Beteiligung, Unternehmenskultur und Innovationsmanagement".Bezogen auf die unternehmerische Energiewende können zwischen den einzelnen Ebenen Widersprüche und Spannungen entstehen: zum Beispiel zwischen expliziten Normendes Unternehmens (Nachhaltigkeits-Leitwerte und -Programme) und unbewussten Haltungen und Handlungen der Mitarbeiter  (Nachhaltigkeit wird nicht wirklich als wichtig empfunden und daher auch nicht umgesetzt). Oder: einzelne Mitarbeiter sind persönlich hochmotiviert, Energie- und Nachhaltigkeitsinitiativen zu starten, geraten aber mit den bestehenden Handlungsroutinen oder gegenläufigen impliziten Normen im Kollegen-/Führungskreis an ihre Grenzen.

Franziska Dittmer berichtete anschließend aus Interviews mit engagierten Mitarbeitern, die einerseits eine hohe Motivation und Bereitschaft aufzeigen, sich mit Eigeninitiative für die nachhaltige Entwicklung ihrer Unternehmen einzusetzen. Gleichzeitig legten die Interviews offen, dass engagierte Mitarbeiter im Arbeitsumfeld oft auf Unverständnis und mangelnde Unterstützung treffen, wenn sie EE-Projekte entwickeln wollen. In der Arbeitsgruppe wurden auch Erfahrungen und Lösungsvorschläge ausgetauscht, wie diese Spannungen und Konflikte gelöst werden können: Uwe Urbschat, Leiter des Bereiches Kultur- und Identitätsmanagement der Weleda AG, betont die Bedeutung der menschlichen Begegnung und einer gewachsenen Verantwortungskultur, die eine wertvolle Basis für Kreativität und Innovationskraft der zusammenarbeitenden Menschen im Unternehmen ist. Um dies zu ermöglichen finden bei Weleda regelmäßig Dialogwerkstätten statt. Zudem können sich die Mitarbeiter durch Hospitationstage abteilungsübergreifend austauschen, neue Ideen und Projekte entwickeln und das gegenseitige Verständnis vertiefen. Stephan Bongwald, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Barmenia Versicherungen, berichtete unter anderem über positive Erfahrungen der Erweiterung des Vorschlagswesen, bei der Vorschläge zu Nachhaltigkeitsthemen durch Sonderpunkte und Prämien hervorgehoben wurden.

Das Forschungsprojekt enEEbler läuft noch bis Februar 2016. Um weitere, möglichst umfassende Erkenntnisse über die Mechanismen von Mitarbeiter-Motivation und Unternehmensentwicklung im Zusammenhang mit Klimaschutz und Energiewende zu erlangen, ist das Forschungsteam weiterhin offen für weitere Partner-Unternehmen, die sich den Fragen des Projektteams zu Mitarbeiterbeteiligung und nachhaltigen Initiativen öffnen wollen. Interessierte können sich an Frau Franziska Dittmer, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, (Franziska.Dittmer@alanus.edu) wenden.

Die Gesamtergebnissedes Forschungsprojekts werden auf einer Fachtagung „Mitarbeiter-Potentiale für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Unternehmen – Lösungen für die Praxis" vorgestellt und diskutiert. Sie findet voraussichtlich am Donnerstag, den 26.11.2015 an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn statt.


www.eneebler.de





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