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"WIR FÜR MORGEN"

Seit 10 Jahren ist der VfL Wolfsburg B.A.U.M.-Mitglied. Nico Briskorn, Leiter Corporate Social Responsibility, erzählt im Interview vom Grün-Weißen Klassenzimmer, Zielkonflikten beim Greenkeeping und dem jährlichen "Wir für Euch"-Tag, an dem Mitarbeitende, Fans und Spieler:innen gemeinnützige Einrichtungen in der Region unterstützen.

Herr Briskorn, wie kann ein Verein wie der VfL Wolfsburg in die Gesellschaft wirken und Nachhaltigkeitsthemen vorantreiben?

Was wir tun, wird von den Menschen in und um Wolfsburg mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, was eine große Verantwortung mit sich bringt. Die hohe Aufmerksamkeit wollen wir nutzen, um zum Nachdenken und Mitmachen anzuregen. Sich in gesellschaftliche Diskussionen einzumischen und Themen anzuschieben, gehört seit vielen Jahren zum Selbstverständnis des VfL Wolfsburg. Neben ambitionierten Klimaschutzprojekten geht es uns auch darum, Haltung zu zeigen und Werte zu vermitteln. Vielfalt spielt dabei eine große Rolle – die regenbogenfarbene Kapitänsbinde steht dabei symbolisch für die vielen damit verbundenen Aktionen – genauso wie die Bekämpfung von Diskriminierungsformen wie Rassismus und Homophobie. Im Mittelpunkt unserer Nachhaltigkeitsarbeit stehen zahlreiche Programme, die wir gemeinsam mit unseren Partnern im Rahmen der Initiative "Wir für morgen" umsetzen. Dabei arbeiten wir eng mit unzähligen Unternehmen, Vereinen, Bildungseinrichtungen und Kommunen zusammen und verfolgen langfristige Ziele.

Als erster Fußballklub der europäischen Top-Ligen haben Sie sich 2020 der UN-Initiative "Race To Zero" angeschlossen. Was war Ihre Motivation?

Es gilt heute mehr denn je, Verantwortung für die Zukunft des Fußballsports in allen seinen Ausprägungen und, ganz allgemein, für die Lebensgrundlagen der nächsten Generationen zu übernehmen. Um deutlich zu machen, wohin die Reise geht, unterstützen wir das "Race to zero" der Vereinten Nationen. Wir bekennen uns zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und leisten unseren Beitrag, damit diese erreicht werden. Zum Beispiel, indem wir uns noch intensiver mit dem Thema Fanmobilität beschäftigen.

Tatsächlich geht der größte Teil unseres CO2-Fußabdrucks auf An- und Abreisen des Publikums zurück. Die Reduktionsmaßnahmen umfassen den weiteren Ausbau der E-Ladeinfrastruktur sowie die Umstellung auf Dienstwagen aus der vollelektrischen ID.Familie, den Ausbau der Photovoltaik-Anlagen und ein noch effizienteres Energiemanagement sowie den Ausbau von veganen Angeboten im Catering. Bis 2025 wollen wir Netto-Null-Emissionen erreichen. Der Reduktionspfad ist orientiert an science based targets (SBT): Ausgehend von dem Saisonjahr 2017/18 sollen die Treibhausgasemissionen jährlich um 6,45 Prozent schrumpfen. Daraus ergibt sich bis zum Jahr 2030 eine Reduzierung um rund 55 Prozent. Im europäischen Profifußball ist das Ambitionsniveau sicherlich einzigartig und wir hoffen, dass viele Clubs unserem Beispiel folgen.

Wo liegen für den VfL Wolfsburg im Bereich Ressourcenschonung die größten Herausforderungen?

Greenkeeping, Rasenheizung, Flutlichter und Catering. Durch den Betrieb der Trainings- und Wettkampfanlagen und die Ausrichtung der Spieltage werden erhebliche Mengen an Wasser und Energie verbraucht. Außerdem fallen, insbesondere an Spieltagen und im Shop, große Mengen an Abfällen an.

Gerade im Sport gilt es, vorhandene Zielkonflikte zu entschärfen. Nehmen wir den Rasen. Für die exzellente Qualität des Spielfelds in der Volkswagen Arena wurde der VfL mehrfach von der DFL mit dem Award "Pitch of the Year" ausgezeichnet. Was die Fachjury aus Mitgliedern der Deutschen Rasengesellschaft nicht bewertet hat, war der Ressourcenverbrauch. Gerade für einen ganzjährig bespielbaren Rasen werden große Mengen an Wasser und anderen natürlichen Ressourcen verbraucht. Daher setzen wir auf alternative und ressourcensparende Quellen, wie die Nutzung der Gebäuderestwärme für die Rasenheizung. Ein weiteres Beispiel ist die Beregnung der Rasenfläche mit Wasser aus dem Mittellandkanal, wodurch wir wertvolle Trinkwasserreserven schont.

Generell erheben wir detaillierte Verbrauchsdaten und nutzen digitale Lösungen, um die Effizienzmaßnahmen zentral zu steuern und unsere Resultate zu verbessern. Darüber hinaus helfen uns Datenanalysen und Prüfergebnisse regelmäßiger Auditierungen, um Einsparpotenziale zu ermitteln und zu nutzen. Aktuell führen wir zum Beispiel eine Abfallanalyse durch, um auch hier eine noch bessere Datenbasis für die weiteren Planungen zu erhalten.

Ihr Verein engagiert sich für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Erreichen Sie mit diesen Anliegen die Fans? Wo stoßen Sie auf Widerstände?

Unsere Mannschaften zeigen, dass Herkunft, Religion oder Hautfarbe für eine gemeinsam erbrachte Leistung unerheblich sind und verschiedene Menschen zusammen mehr bewegen können. Aus den Teams haben sich starke Vielfaltsbotschafter herausgebildet, die Vielfalt nach innen und außen leben. Bereits seit 2018 tragen all unsere Kapitäne auf Initiative unserer ehemaligen Spielerin Nilla Fischer die Regenbogenkapitänsbinde. Dabei ist uns wichtig, dass Vielfalt nicht nur ein Hashtag oder bloße Symbolik bleibt. Es muss im Alltag stattfinden und gelebt werden. Unsere AG Vielfalt und zwei Diversity-Manager:innen arbeiten projektbezogen und tauschen sich regelmäßig zu allen Vielfaltsdimensionen mit Blick auf die internen Strukturen des Vereins aus. Für dieses Jahr planen wir zum Beispiel umfassende Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeiter und wollen unsere Stadien noch inklusiver gestalten. Im Zuge einer Umfrage wurden 2020 dafür die bestehenden Bedarfe abgefragt, die wir jetzt in konkrete Maßnahmen übersetzen.

Herzstück und zentrale Anlaufstelle für junge Fans und Schüler:innen ist unser außerschulischer Lernort, das Grün-Weiße Klassenzimmer. Seit 2015 führen unsere Fachexpert:innen jährlich mit bis zu 2.000 Schüler:innen Workshops zu Themen wie "Diskriminierung und Ausgrenzung im Alltag" oder "Rassismus im Fußball" durch. 2019 haben wir dieses Bildungsangebot gemeinsam mit unterschiedlichen städtischen Partnerinstitutionen wie dem Fanprojekt um das Projekt "Wolfsburger Schule für Vielfalt" erweitert. Schüler:innen ab der 9. Klasse setzen sich hier über ein Schuljahr hinweg intensiv mit dem Kernthema Vielfalt auseinander. Im ersten Schulhalbjahr durchlaufen sie verschiedene Themenworkshops, u.a. aus den Bereichen Sexismus und LSBTIQ*, Inklusion, Hate Speech, Diskriminierung, Rassismus und Zivilcourage. Im zweiten Schulhalbjahr planen und setzen die Projektschulen ein eigenes Projekt an der Schule oder im unmittelbaren Lebensraum zum Thema Vielfalt um. Nach erfolgreicher Durchführung wird jede Schule mit dem Siegel "Wolfsburger Schule für Vielfalt" ausgezeichnet. Das tolle Feedback der Jugendlichen und Lehrkräfte zeigt, dass wir mit dem Projekt Wirkung erzeugen können

Welches der Projekte des VfL Wolfsburg liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen und warum?

Im Rahmen unseres Engagements initiieren wir vielfältige Mitmach-Aktionen in den Themengebieten Vielfalt, Umwelt- und Klimaschutz sowie im Zuge des allgemeinen sozialen Engagements. Ein besonderes Highlight bildet unser "Wir für Euch"-Tag. Mitarbeiter, Fans sowie Spielerinnen und Spieler unterstützen einen Tag lang gemeinnützige Einrichtungen in der Region mit ihrer Arbeitskraft. An diesem Tag, der uns allen besonders am Herzen liegt, strömen 11 Teams aus um 11 soziale Projekte an 11 Orten zu unterstützen.Durch die aktive Einbindung der Mitarbeiter und Profis verbessert sich auch die interne Wahrnehmung des Themas.

Vielen Dank, Herr Briskorn, für diesen Einblick in Ihre Arbeit.

Hier finden Sie mehr zum Nachhaltigkeitsengagement des VfL Wolfsburg

 





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