Logo Twitter
MITGLIED WERDEN
NEWSLETTER ABONNIEREN

STELLUNGNAHME ZUR ÜBERARBEITUNG DER BEG (EINZELMAßNAHMEN)

Das B.A.U.M.-Mitgliedsunternehmen KÜBLER entwickelt seit 1989 energiesparende Hallenheizungen. Geschäftsführer Thomas Kübler bringt sich mit einer Stellungnahme in die Diskussion um die Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ein und legt sieben Empfehlungen für die Überarbeitung der BEG (Einzelmaßnahmen) zur Förderung energieeffizienter und regenerativer IR-Hallenheizungstechnologien für eine erfolgreiche Energiewende vor.

Nichtwohngebäude (NWG) weisen in Bezug auf die Bautechnik und die eingesetzte Anlagentechnik wesentliche Unterscheidungen auf: Sie lassen sich nach der Bauweise unterscheiden in Geschossbau (mit ähnlichen Bedingungen wie im Bereich Wohngebäude) und in Nicht-Geschossbau/Hallen (mit Deckenhöhen 4 bis 40 m, Flächen bis zu 10.000 m², völlig anderen Bedingungen, stärkerer Relevanz und Heterogenität der Anlagentechniken). Von den ca. 2 Mio. GEG-relevanten NGW zählen 420.000-480.000 zu gewerblich und industriell genutzten Hallengebäuden (ca. 2% aller Gebäude, die für ca. 15% des Gesamtraumwärmebedarfs und der entsprechenden THG-Emissionen von Gebäuden stehen.) In diesen Gebäuden stellen energieeffiziente dezentrale Heizsysteme mit gasförmigen Energieträgern häufig die einzige wirtschaftlich zu realisierende Möglichkeit dar – mit beeindruckenden Einsparpotenzialen an Heizenergie von 50 – 70 Prozent.

Problemstellung

  1. Derzeit wird der Bereich NWG in Nicht-Geschossbauweise in BEG und GEG nicht adäquat adressiert. Auch das beeindruckende THG-Minderungspotenzial (15 Prozent!) wird hier nur ungenügend gehoben. Ein sehr effizienter Einsatz von Fördermitteln in diesem Bereich wird nicht realisiert. Im Vergleich: bei gleichem Fördersatz haben Fördermittel für hocheffiziente dezentrale Heiztechnik in Hallengebäuden eine ca. 8-10-fach höhere CO2-Minderungswirkung als Fördermittel für Brennwerttechnik mit Solarthermie-Nutzung in Einfamilienhäusern.
  2. Wärmepumpen (WP) werden pauschal gefördert – auch in Bereichen wie Hallengebäude, wo der Einsatz meist technisch nicht umsetzbar ist. Dies geht auf Kosten speziell für Hallen entwickelter, funktional, ökologisch und wirtschaftlich weit sinnvollerer dezentraler Heiztechnologien, die zudem regenerativ betrieben werden können und im Gegensatz zu Wärmepumpen kurzfristig verfügbar sind.
  3. In Hallengebäuden sind aus wirtschaftlichen wie technischen Gründen Alternativen zur Wärmepumpe nötig, damit die Energiewende nicht ins Stocken gerät. Gerade in Bestandsgebäuden funktioniert die Sanierung mit der WP theoretisch nur in Kombination mit der Fußbodenheizung und ist damit praktisch nicht umsetzbar. Konsequenz: es wird sehr wahrscheinlich nichts geändert. Die Sanierungsquote bleibt weiter hinter den Zielen zurück.
  4. Technologieoffenheit darf nicht nur den regenerativen Wärmeanteil betreffen, sondern muss auch den Gesamtenergieverbrauch berücksichtigen. Die Wärmepumpe ist extrem effizient bei der Wärmeerzeugung für geringe Temperatur-Niveaus. Bei dieser Betrachtung wird übersehen, dass die Fußbodentemperatur schon aus physiologischen Gründen zu begrenzen ist. Man kann nicht auf einer "Herdplatte" arbeiten, nur um den Wärmebedarf in der Halle zu decken, der auf Grund der Höhe und der volatilen komplexen Anforderungen pro m² höher ist als im 2,5 m hohen Geschossbau. Es ist bei der Betrachtung der Energie- und Kosteneffizienz zu ergänzen, welche Hilfsenergien für die Wärmeübergabe aufzuwenden sind. Zudem sind auch die Verluste durch Hilfsenergien für den Wärmetransport (Wasser) und durch die hohe Systemträgheit zu berücksichtigen. Wenn man Gasheizungen pauschal verbietet, gibt es dann auch keine Spitzenlastkessel für Wärmepumpen mehr? Dieser Punkt wird immer wieder übersehen, denn auf diese können gerade große Wärmepumpen nicht verzichten, um auf eine angemessen JAZ zu kommen.
  5. Nach der EU Verordnung gilt das Kostenoptimalitätsprinzip gemäß der Richtlinie 2010/31/EU bzw. 244/2012. Eine einseitige Förderung verstößt gegen diese Verordnung. Denn der Einbau einer Fußbodenheizung als Wärmeüberträger im Bestand wird quasi unbezahlbar, z. B. weil man die Produktion unterbrechen muss, um diese Systeme nachträglich zu integrieren.

Empfehlungen

  1. Anerkennung der gebäudephysikalischen Besonderheiten von Hallengebäuden (Deckenhöhen 4 bis 40 m, Flächen bis zu 10.000 m²) sowie der hohen Energieeffizienz spezieller Anlagentechnik für diese Gebäude.
  2. Differenzierung der Heiztechnologien. Dabei sind Infrarot-Hallenheizungen von normalen Gasheizungen für Geschossbauten zu unterscheiden. In den Bereichen Neubau und Bestandsgebäude ist die dezentrale Infrarot-Heizung für Hallen hinsichtlich der Gesamtenergieeffizienz auf Augenhöhe mit der Wärmepumpe – und dies bei einer besseren Usability. Dies ist sehr wirtschaftlich für den Betreiber und gleichzeitig für die Förderbudgets. Je nach WP und ihrer zugehörigen Quelle (Luft oder Erdwärme), liegt der Mehraufwand für die WP um Faktor 4 (!) und höher.
  3. Technologie- und energieoffene, ideologiefreie und pragmatische Nutzung von relevanten THG-Minderungspotenzialen und Energieeffizienzeffekten. Hohe Energieeffizienz und H2-Readiness müssen auch bei der Brückentechnologie Gas gefördert werden (H2 ist auch ein Gas!). Der Energie Mix ist relevant für eine schnelle Energiewende.
  4. Politische Anerkennung von dezentralen Infrarot-Hallenheizungen mit ihrer Offenheit für grüne Energieträger und ihrem hohen Beitrag zur Energieeffizienz, auch wenn sie mit Gas betrieben werden können. Modernste Infrarot Hallenheizungen sind multienergiefähig und mit Biogas, Wasserstoff, Erdgas, Flüssiggas, und (bevorzugt grünem!) Strom zu betreiben. Dies je nach Verfügbarkeit (regenerative Energien sind volatil). Mit diesen modernen Systemen kann man Spitzenlast-Management betreiben, bei voller Betriebssicherheit.
  5. Förderung effizienter Technologien (Einzelmaßnahmen wie beispielsweise oben genannt), um die Sanierungsrate im Gebäudebestand der Hallen (ca. 15% des Gesamtraumwärmebedarfs in Deutschland!) zu erhöhen. Efficiency First wird mit Einsparquoten von 50-70% auf Grund der optimalen Wärmeübertragung in Hallengebäuden erreicht. Die Systemoffenheit für regenerative Energien ist entwicklungstechnisch umgesetzt. Die Einhaltung der EU Verordnung zur Kostenoptimalität gemäß der Richtlinie 2010/31/EU bzw. 244/2012 wird damit erfüllt. Eine Entlastung des Förderbudgets und der Steuerzahler um den Faktor 3-4 und mehr sind die Folge.
  6. Eine konsistente, technologie- und anwendungsoffene Förderpolitik, die sich am THG-Minderungspotenzial, den THG-Vermeidungskosten und der Nachhaltigkeit optimiert. Die Anerkennung von der Wärmepumpe ebenbürtigen Technologien wie dezentrale IR-Systeme im spezifischen Gebäudesegment Halle in Gesetzgebung und Förderprogrammen. Die Förderung einer für diesen Bereich oft nicht optimal passenden Technologie (Wärmepumpe), ohne den Hallenbetreibern Alternativen zu bieten, ist nicht sinnvoll. Anerkennung der Nutzung klimaneutraler Gase im Gebäudebestand und Förderung des Hochlaufs der Wasserstoff-Wirtschaft auch im Wärmemarkt.
  7. Differenzierung der Definition NWG in a) NWG in Geschossbauweise (GB) und b) in NWG in Nicht-Geschossbauweise (NGB/Hallen). Grund sind die großen physikalischen Unterschiede bei der Beheizung (Deckenhöhen!) sowie im Nutzungsprofil (s.o.).

 konkrete Änderungsvorschläge zur BEG (Einzelmaßnahmen) der KÜBLER GmbH (PDF, 21.09.2022)





Datenschutz | Impressum