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BUNDESPRÄSIDENT SIEHT DBU-PREISTRÄGER ALS PROTAGONISTEN AMBITIONIERTER ZUKUNFTSVISIONEN

"Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision. All denen, die daran gar nicht mehr glauben, die mit Verunsicherung, ja mit Angst in die Zukunft schauen, können unsere heutigen Preisträger eine Ermutigung senden: Aus der Teilung Europas erwächst ein ‚Grünes Band‘, aus 197 Einzelstimmen wird ein großes Klimaschutzabkommen. Und aus lokalem Erfindergeist erwachsen Technologien, die Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen. Ja, die Zukunft mag ungewiss sein, aber unsere Preisträger zeigen: Sie ist am Ende das, was wir daraus machen." Mit diesen Worten würdigte heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

© DBU/Peter Himsel"Ich finde, das ist eine besonders schöne Nachwendegeschichte"

Vor rund 1.200 Festgästen – darunter Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Niedersachsens stellvertretendem Ministerpräsidenten Stefan Wenzel – erinnerte Steinmeier an den bevorstehenden Jahrestag zum Fall der Berliner Mauer. Die jahrzehntelange Teilung Deutschlands habe Narben hinterlassen – in Familien, Wirtschaft und Politik. Viele dieser Narben seien unsichtbar, manche fielen direkt ins Auge. Dazu gehörten die in der Landschaft. Mit Mauern, Stacheldraht und Patrouillenwegen sei ein breites Band der Teilung durch Europa über Felder, Berge und Wälder gelegt worden. In diesem Schatten der Geschichte jedoch sei zwischen Selbstschussanlagen und Wachtürmen ein weltweit einzigartiges Naturerbe entstanden. Zum Glück sei Frobel bereits in den 70er Jahren auf die Idee gekommen, aus diesem Band des Schreckens ein "Grünes Band" der Hoffnung zu machen. Mit Inge Sielmann und der Sielmann-Stiftung sowie vielen anderen habe diese Idee tatkräftige Unterstützung gefunden und sei heute Realität geworden. Und dank des Engagements von Weiger sei das "Band" bald nicht mehr nur eine deutsche, sondern eine europäische Idee geworden. Steinmeier: "Ich finde, unter den vielen Geschichten, die kursieren, ist das eine besonders schöne Nachwendegeschichte."

Pariser Folgeverhandlungen gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen

Das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 habe gezeigt, dass die Weltgemeinschaft in der Lage sein könne, sich auf gemeinsame Ziele in der Umweltpolitik zu verständigen. Die Pariser Folgeverhandlungen im November in Bonn seien gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen. Ziel sei es, dass die Staatengemeinschaft auf die Bedürfnisse gerade auch der kleineren Länder eingeht, die keine Stimme haben im großen Weltkonzert. Vor allem die kleinen Inselstaaten bangten angesichts des steigenden Meeresspiegels um ihr Land. Tony de Brum, der ehemalige Außenminister der Marshall-Inseln, habe deren Interessen eine "klar vernehmbare und weltweit geachtete Stimme" gegeben.

Beispielhaft für Familienunternehmen, die Deutschland bereicherten

Doch Abkommen und Gesetze könnten immer nur der erste Schritt sein. Viel wichtiger sei es am Ende, den gesetzlichen Rahmen mit guten Ideen auszufüllen. Als innovativem Mittelständler mit besonderer Expertise für Elektromotoren sei es der Firma OSWALD gelungen, einen um bis zu 50 Prozent wirkungsvolleren Antrieb für Industrieanwendungen zu entwickeln. Das sei ein beeindruckender Erfolg und verdiene großen Respekt – gerade auch für einen Familienunternehmer, der diese Entwicklung aus dem laufenden Betrieb finanzieren muss. Die Firma OSWALD stehe beispielhaft für all die kleinen und mittleren Familienunternehmen, die Deutschland bereicherten, nicht nur wirtschaftlich. Mittelständler wie die Oswalds würden sich intensiv in ihren Gemeinden engagieren. Sie übernähmen Verantwortung, nicht nur für ihre Mitarbeiter, sondern auch für die Stadt und die Region, in der sie produzieren.

Treibende Kraft einer Allianz von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern

Den Ende August verstorbenen DBU-Ehrenpreisträger Tony de Brum würdigte Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Mit großer Energie habe sich de Brum dem Kampf gegen die Erderwärmung verschrieben und für den Schutz der Umwelt eingesetzt. Er sei bei der Klimakonferenz in Paris 2015 die treibende Kraft einer Allianz von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern gewesen, die den Staaten und Regionen eine einheitliche Stimme verliehen habe, die am stärksten von den Klimaveränderungen betroffen sein werden.

Ökologie, Ökonomie und Soziales zu verbinden, "tut unserer Welt gut"

Die Preisträger selbst machten in Filmen, die während des Festaktes eingespielt wurden, und im Gespräch mit Moderatorin Judith Rakers ihre Positionen noch einmal deutlich. Johannes Oswald wies darauf hin, dass seine Motoren jährlich 1,5 Terrawattstunden Energie einsparten, was etwa dem Verbrauch von einer Million Menschen in Deutschland entspreche. Seine Vision sei es, andere Menschen davon zu überzeugen, dass es "unserer Welt guttut", wenn Ökologie, Ökonomie und Soziales in einem guten Verhältnis zueinander stünden.

Naturschutz zwischen scharf geladenen Waffen hier wie dort

Weiger wies darauf hin, dass der Fall der Mauer die große Chance für einen Aufbruch des Naturschutzes in Deutschland bedeutet habe. "Wir haben die einmalige historische Chance, das schlimme Erbe unserer eigenen Geschichte als lebendiges Denkmal zu erhalten. Wir können nicht nur Grenzen niederreißen, wir können auch Grenzen positiv überwinden, und wir können erkennen, dass die Kraft Europas in der Vielfalt liegt." Ohne das ehrenamtliche Engagement Hunderter von Menschen wäre aber alles nicht möglich gewesen. Auch Frobel ging auf die "damals desolate Situation des Naturschutzes in Deutschland" ein. An der "scheußlichen Grenze" Natur zu beobachten, habe Naturschutz zwischen scharf geladenen Waffen hier wie dort bedeutet. Ein "besseres Denkmal der Überwindung der deutsch-deutschen Grenze" als das "Grüne Band" könne es nicht geben, unterstrich auch Inge Sielmann.





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