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KATTOWITZ IST EINE CHANCE

Die UN-Klimakonferenz in Polen hat am Wochenende ein Regelwerk für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verabschiedet. Das B.A.U.M.-Netzwerk war durch Vorstandsmitglied Bernhard Schwager vor Ort. Kernziel des Abkommens: die deutliche Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad. "Die Weltgemeinschaft hat jetzt das zweite Mal Ja zu Paris gesagt", jubelte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) nach der Abschlusserklärung.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach etwas weniger euphorisch von einem "soliden" Ergebnis. Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz sei allerdings nötig, mahnte er. Seien wir ehrlich: Das Regelbuch für die Umsetzung des Abkommens von Paris ist Pflicht, keine Kür. Da es keine verbindliche Regelung für einen weltweiten Emissionshandel gibt, stellt sich die Frage, ob eine tatsächliche Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes wirklich zu erwarten ist. Nun sind wir alle gefragt. Fangen wir an, in Taten, statt in Worten zu messen. Manchmal tut das weh.

Die fünfzehnjährige Schwedin Greta Thunberg, die in Kattowitz im Namen der Initiative "Climate Justice Now" eine berührende Rede hielt, fasste es so zusammen: "Ihr sprecht nur von grünem, ewigen Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen."

Der 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC hat die Brisanz der Klimakrise so deutlich wie nie thematisiert. Das Abschlussdokument von Kattowitz enthält eine Anerkennung dieses Berichts. Nach heißen Diskussionen wurde beschlossen, dass die "rechtzeitige Fertigstellung des Berichtes begrüßt" wird.

Das Pariser Abkommen besteht aus den Klimaplänen der einzelnen Länder, die diese freiwillig und nahezu ohne Vorgaben entwickeln können. Es hatte die Differenzen zwischen den Staaten noch in mehrdeutigen Formulierungen verborgen, die es allen Ländern ermöglichten, dem Abkommen zuzustimmen. Nun gibt es quasi das Gegenstück: ein verbindliches Regelwerk. Ab 2024 gelten nun weitgehend die gleichen Regeln für alle; Industrie- und Entwicklungsländer. Dass auf der Klimakonferenz in Polen trotzdem eine Einigung gelang, ist als Erfolg zu werten. Die Zeit für mehr Transparenz ist gekommen.

Eine "Koalition der Ehrgeizigen", unter ihnen die EU mit Deutschland sowie kleine Inselstaaten, hatte zusätzliche Anstrengungen zugesichert. Im Pariser Klimaabkommen gibt es auch das Versprechen der Industrieländer, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Erderwärmung in armen Staaten bereitzustellen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fordert nun "einen neuen Anlauf durch Politik und Wirtschaft", um die Beschlüsse von Kattowitz in die Tat umzusetzen. "Sonst versündigen wir uns an der Zukunft der jungen Generation", so der Minister. Im Klartext heißt das: Es gibt keine Ausrede dafür, nichts oder zu wenig zu tun. Klimaschutz ist eines der zentralen Handlungsfelder für Unternehmen geworden.

B.A.U.M. setzt sich seit bald 35 Jahren für dieses Thema ein. Eine Vielzahl der Mitglieder des B.A.U.M. Netzwerkes engagiert sich seit Jahren und Jahrzehnten für Klimaschutz. Einige Unternehmen können sich heute bereits als klimaneutral bezeichnen. Insgesamt passiert allerdings zu wenig: 2008 stand Deutschland im Klimaschutz-Index von Germanwatch auf Platz zwei hinter Schweden. Zehn Jahre später reicht es gerade mal für Platz 27. Dabei haben gerade Umwelt- und Klimatechnologien für eine Export-Nation wie Deutschland eine hohe Bedeutung.

Die Politik setzt hohe Ziele, muss aber deutlich mehr für deren Umsetzung tun und die Wirtschaft in ihrem Klimaengagement bestärken. Oder um es mit Gretas Worten zu sagen: "Euch gehen die Entschuldigungen aus. Und uns geht die Zeit aus."

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Natürlich haben wir alle versucht, unseren Teil für eine klimagerechtere und nachhaltige Welt zu tun. Wir haben mit Projekten das mögliche Duett aus Nachhaltigkeit und Digitalisierung genauso thematisiert wie die Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen im Umgang mit ihren Ressourcen stellen sollten. Und wir, beziehungsweise die aus einem B.A.U.M. Forschungsprojekt heraus gegründete Green Growth Futura GmbH haben ein Research-Verfahren bezüglich nachhaltigem Investieren entwickelt aus dem der B.A.U.M. Fair Future Fonds entstanden ist. Und Sie haben in Ihren Funktionen in Unternehmen und als Privatmenschen viele klimarettenden Initiativen angestoßen. Wir danken Ihnen dafür und sagen: "weiter so!"





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