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VOM MEHRWERT GUTER ARBEIT

 

"Nur wenn klar ist, dass Unternehmen gesunde Arbeit fördern", betont der Arzt Dietrich Grönemeyer, "finden sie künftig gute Fachkräfte." Damit unterstreicht er den Mehrwert betrieblicher Gesundheitsförderung. Sie steigert nicht nur das Befinden der Beschäftigten und sichert damit deren Arbeitskraft sowie -motivation. Sie stärkt auch die Reputation von Firmen und verbessert, wenn richtig umgesetzt, die Unternehmenskultur, indem sie auch das soziale Miteinander zwischen wirtschaftlichen und zivilen Akteuren stärkt. Gesundheitsförderung ist für ExpertIinnen daher längst ein Schlüssel zu unternehmerischer Nachhaltigkeit. Um Gesundheitsförderung langfristig zu gestalten, sollte diese jedoch "nicht am eigenen Werkstor enden", empfiehlt die Arbeitspsychologin Eva Bamberg. Unternehmen wirken mit ihren Entscheidungen und Prozessen über ihre Grenzen hinaus auf Geschäftspartner, VerbraucherIinnen und Gesellschaft ein.

Als Leiterin des Verbundprojekts GESIOP (Gesundheitsmanagement aus inter-organisationaler Perspektive) forscht Prof. Dr. Eva Bamberg von der Universität Hamburg daher mit weiteren WissenschaftlerIinnen an Bedingungen für solchermaßen "gute Arbeit". In der globalisierten Welt mit ihrem Wettbewerbs- und Preisdruck nämlich spüren immer mehr Krankenkassen, Gewerkschaften oder PersonalmanagerIinnen, dass Arbeitsverdichtung und Überforderung oder Dauerstress psychische und körperliche Beschwerden bei Beschäftigten mit verursachen. Die Krankenstände klettern. Laut Statista sind etwa von Burnout neben Führungskräften am häufigsten Mitarbeitende an Ladenkassen sowie in Pflege- und Sozialberufen betroffen. Burnout zählt inzwischen als neue "Volkskrankheit".

Als Partner in GESIOP erproben WissenschaftlerIinnen der Universitäten Hamburg, Kiel sowie der TU München mit Praxispartnern aus deutschen Unternehmen (BAUR Gruppe, Hamburger Hafen und Logistik oder tegut…) und zusammen mit der VERBRAUCHER INITIATIVE (Bundesverband), wie Betriebe "gute Arbeit" gewährleisten können. Die WissenschaftlerIinnen stellen der Öffentlichkeit auf dem Kongress ein Tool vor, mit dem Betriebe im Verbundprojekt per Selbstcheck erproben können, wie erfolgreich sie die Fürsorge für ihre Mitarbeitenden umsetzen. Das GESIOP-Tool für Gesunde Arbeit soll zukünftig weiteren Unternehmen auch außerhalb des Projekts zur Verfügung stehen. Denn: "Bei aller Wichtigkeit ökonomischer Faktoren", betont Grönemeyer, "dürfen wir nie vergessen: Es geht vor allem darum, den Wert des Menschen, mit dem wir zusammenarbeiten, zu erkennen."

Mit einer repräsentativen Studie im Rahmen von GESIOP untersuchten die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie die TU München gemeinsam mit der VERBRAUCHER INITIATIVE, wie groß das Interesse von VerbraucherIinnen an Informationen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement ist. VerbraucherIinnen hätten zwar keinen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Unternehmensmitarbeitenden, sagt Ludger Heidbrink von der Universität Kiel, "sie können aber beim Einkauf darauf achten, ob Arbeitsplätze gesundheitsförderlich gestaltet sind oder mit den Beschäftigten respektvoll umgegangen wird". Damit, ergänzt Alena Buyx von der TU München, "können KonsumentIinnen durch Kaufentscheidungen ethische Standards in Unternehmen beeinflussen."

"Gesundheitsförderung ist ein strategisch relevanter Faktor für den Unternehmenserfolg - dies müssen alle Entscheidungsverantwortlichen in Unternehmen erkennen", zieht Carola Aldag (HHLA) ein Fazit des GESIOP-Projekts. Eva Straka (tegut...) nennt "gesunde Führung" eine Langfristaufgabe in Unternehmen. Am Ende eines solchen Prozesses kann dann, das zeigt die BAUR Gruppe, die betriebliche Gesundheitsförderung ein "Leuchtturmprojekt der CR-Strategie" sein. Dafür ist aber eine enge Zusammenarbeit zwischen Abteilungen sowie Unternehmen etwa in der gemeinsamen Wertschöpfungskette notwendig. Eine Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg "erhöht dabei die Qualität von Maßnahmen im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung", resümiert Grit Tanner (Universität Hamburg) aus einer Interviewstudie mit Verantwortlichen für Gesundheitsförderung und CSR aus verschiedenen Unternehmen, welche an der Universität Hamburg durchgeführt wurde. Ein fortlaufender "Austausch und eine gleichberechtigte Partizipation" erhöhe zudem die Bereitschaft zur gemeinsamen Umsetzung von "guter Arbeit".

Für Georg Abel von der VERBRAUCHER INITIATIVE muss auf jeden Fall die Wertigkeit der Gesundheitsförderung erhöht werden. Für den Geschäftsführer des Vereins ist dafür die ganze Gesellschaft gefordert. "Politik, Krankenkassen, Gewerkschaften und NGO müssen das Thema auf die Tagesordnung setzen", glaubt Abel. Nur so werde seine Bedeutung angemessen gewürdigt.

Am 16. Mai diskutieren die WissenschaftlerIinnen und BetriebspraktikerIinnen die Ergebnisse des rund dreijährigen GESIOP-Projekts in Berlin mit interessierten KongressbesucherIinnen. Dabei sein wird auch Heike Henkel. Die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin im Hochsprung bringt dabei eine zusätzliche, ganz eigene Sichtweise in die Tagung ein. Henkel betont die "zwei Seiten der Medaille", mit der gesundheitliche Förderung die Basis auch und gerade für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens legt.

 





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