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DAS THEMA NACHHALTIGKEIT HAT DIE MEHRHEIT DER UNTERNEHMEN ERREICHT

Das IAB-Betriebspanel ist eine jährliche Wiederholungsbefragung von knapp 16.000 Unternehmen in Deutschland. Mit einem breit gefächerten Spektrum an Fragen werden Informationen zu betrieblichen Strukturen und Stimmungslagen gesammelt. Die große Stichprobe ermöglicht Auswertungen sowohl auf Länderebene als auch nach Wirtschaftszweigen.

Über die Ergebnisse berichtet das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht 6/2019.

Dem Autor Thomas Zuleger ist besonders wichtig zu betonen, dass Nachhaltigkeit keine ökonomischen Nachteile bringt:

Gerade die ökologische Nachhaltigkeit wird oft als zu teuer angesehen. Umso überraschender sind die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels. Denn Nachhaltigkeit korreliert positiv mit dem Geschäftsvolumen (Sammelbegriff für Umsatz bei gewerblichen Unternehmen und Einnahmen bzw. Ausgaben bei gemeinnützigen). Das heißt, die Analyse des IAB weist aus, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz (pro Mitarbeiter*in) gleichzeitig stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Der Produktivitätsgewinn von immerhin 13.700 Euro zusätzlichem Umsatz pro Jahr und Beschäftigten ist ein deutliches Indiz dafür, dass die nachhaltigen Unternehmen im Mittel auch wirtschaftlich gut dastehen. Ein Vergleich der Lohnhöhe stellt diesen Befund nicht infrage, die marginal positiven Abweichungen sind nicht signifikant.

Während die Unternehmensgröße in diesem Zusammenhang keine Rolle spielt, ist bemerkenswert, dass Unternehmen mit Betriebsrat im Durchschnitt auch höhere Löhne zahlen. Es wäre nun interessant zu wissen, ob diese gleichzeitig auch eher an ökologischer Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Nach den Daten könnte man es vermuten, es fehlt aber die entsprechende multivariante Auswertung. Eine Auswertung nach anderen sozialen Kriterien ergab keine auffälligen Ergebnisse: mobiles Arbeiten und Schutz der Beschäftigten vor Überlastung sind in den nachhaltigen Betrieben etwas stärker verbreitet, befristete Beschäftigung etwas seltener, aber Leiharbeit etwas häufiger.

Die IAB weist noch darauf hin, dass nachhaltige Unternehmen häufiger als andere Schwierigkeiten haben, Fachpersonal zu finden. Dieser auf den ersten Blick widersprüchliche Befund müsste näher untersucht werden. Denn es ist durchaus denkbar, dass die Qualifikationsanforderung in den nachhaltigen Unternehmen überdurchschnittlich hoch ist, und diese deshalb größere Probleme haben, offene Stellen zu besetzen.

Thomas Zuleger, Diplom Volkswirt und Ministerialrat a.D., leitete zuletzt die Geschäftsstelle "Nachhaltigkeitsstrategie" im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Zuvor war er Referatsleiter "Industrieforschung für Unternehmen, Innovationsberatung". Weitere Stationen hatte er im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung sowie in der SPD-Bundestagsfraktion.

 





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