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DER VERKEHRSWENDE FEHLT ES AN ÖKOSTROMTARIFEN FÜR E-AUTOS

Einen großen und zuletzt steigenden Anteil an den CO2-Emissionen Deutschlands hat der Verkehr. Neue Lösungen einer klimabewussten Mobilität sind gefordert, um hier die dringend erforderliche Energiewende voranzubringen. Die Elektromobilität spielt dabei eine wichtige Rolle. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden rund 80 Prozent mehr Elektroautos neu zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Doch Elektroautos weisen nur dann eine positive CO2-Bilanz auf, wenn sie mit Ökostrom geladen werden. Und hier liegt die Krux: Es mangelt nach wie vor an echten Ökostromtarifen für Elektroautos. Und das, wo rund 80 Prozent der Elektroautofahrer ihr Auto bevorzugt zuhause oder am Arbeitsplatz laden.

"Falscher Produktfokus ist eine Gefahr für den Klimaschutz"

Nur rund jeder zehnte bundesweit tätige Energieversorger bietet Ladetarife für Zuhause an. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Elektromobilitätsangebote von Energieversorgern, die beim jährlichen Ökostrom-Qualitätstest des Magazins Öko-Test bewertet wurden. Insgesamt hat bis heute über die Hälfte der untersuchten Anbieter keinerlei Elektromobilitätsangebot im Portfolio. Meist handelt es sich um eine Ladekarte für das Laden unterwegs. Produkte, die Hardware zum Laden beinhalten wie beispielsweise eine Wallbox, haben 26 Prozent der Energieversorger. Noch schlechter sieht es aus, wenn allein die mit Ökostromqualität "sehr gut" bewerteten Energieversorger betrachtet werden. Dabei kommt es am Ende genau darauf an, um mit einem Elektroauto wirklich klimafreundlich unterwegs zu sein.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hat sich die CO2-Bilanz von Elektroautos im Auftrag von Agora Verkehrswende angeschaut und kommt zum Ergebnis, dass ein Fahrzeug der Kompaktklasse mit dem herkömmlichen Strommix rund 80.000 Kilometer fahren müsste, mit Ökostrom sind es nur 40.000 Kilometer. Und eine Fraunhofer Studie ergibt, dass die Treibhausgas-Emissionen eines Elektroautos über seine Nutzungszeit gegenüber einem Verbrenner um 65 bis 75 % niedriger sind, sofern stets mit zertifiziertem Ökostrom geladen wird.

Ladetarife mit reduziertem Arbeitspreis

Verglichen zu klassischem Haushaltsstrom haben spezielle Ladetarife für Elektroautos einen reduzierten Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Bei HT/NT-Tarifen laden Elektroautofahrer spätabends und nachts zu Zeiten schwacher Stromnachfrage vergünstigten Strom. Bei Tarifen, die einen eigenen unterbrechbaren Stromzähler für die Ladevorrichtung beinhalten, entfallen gewisse Bestandteile des Strompreises, so wie bei Wirklich Autostrom Plus des B.A.U.M.-Mitglieds Polarstern. Der Arbeitspreis ist hier im Mittel rund 20 Prozent günstiger als bei klassischem Ökostrom.

Künftig werden intelligente Ladestationen weitere Tarifmodelle ermöglichen, ist sich Florian Henle von Polarstern sicher. Indem sie ebenfalls eine effiziente Steuerung der Stromnetze unterstützten, würden auch hier die Strompreise günstiger.





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