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RENATE KIRCHHOF-STAHLMANN

Renate Kirchhof-Stahlmann, Jahrgang 1942, studierte bis 1967 freie Malerei an den Akademien in Nürnberg und München, die sie als "Meisterschülerin" von Professor Adolf Hartmann verließ. Seither ist sie als freischaffende Künstlerin, Kunsterzieherin und in der Erwachsenenbildung tätig.

Bereits Anfang der achtziger Jahre hielt der Themenkomplex Nachhaltigkeit in Renate Kirchhof-Stahlmanns künstlerisches Schaffen Einzug. Das Stilmittel ihrer Arbeiten ist zum überwiegenden Teil die Zeichnung, mit deren Hilfe sie ihre innere und äußere Wirklichkeit darstellt. Ausgehend von der Skizze erschafft sie in großformatigen Bleistift- und Farbzeichnungen durch Überlagerungen von Linien sich verdichtende Flächen mit großer Tiefe.

Renate Kirchhof-Stahlmann bezeichnet ihre Arbeit als „ein Anzeichnen gegen den Zeitgeist, gegen menschlichen Größenwahn und Überheblichkeit, Achtlosigkeit und Gleichgültigkeit". Die Inspiration zu ihren Arbeiten schöpft sie im Wesentlichen aus der Natur, die zusammen mit religiösen Erfahrungen und naturwissenschaftlichen Einflüssen Eingang in ihr Werk findet.

In herausragenden Arbeiten wie den Zyklen „Genesis" (Der Schöpfungsbericht und der sich über alles erhebende Mensch) sowie „Zeiten" (Zeitmaschine-Maschinenzeit/Zeitenwende-Wendezeit), steht der Mensch, sein verantwortungsloses Handeln in Auswirkung auf sich und seine Umwelt im Mittelpunkt und wird in seiner Komplexität aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Wichtig ist Renate Kirchhof-Stahlmann mit ihren Arbeiten Anstoß zu Auseinandersetzung zu bieten. In Vorträgen an Schulen und Fortbildungsstätten macht sie anhand ihrer Zyklen „Genesis" und „Zeiten" auf die bestehende Umweltproblematik aufmerksam. Das aus dem „Genesis"-Zyklus entstandene Medienpaket wird national wie international hierfür verwendet.

Für das Tagungsprojekt „Ökologie der Zeit" der Evangelischen Akademie Tutzing entwickelte Renate Kirchhof-Stahlmann den Bilderzyklus „Zeiten". Hier thematisiert sie die selbsterschaffene, immer weiter zunehmende Beschleunigung des Denkens und Handelns des Menschen und ruft zur Entschleunigung sowie dem bewussteren Wahrnehmen der Umwelt auf. Auch unter Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen löste die Vorstellung dieser Arbeiten vielfältige Diskussionen aus. Renate Kirchhof-Stahlmann initiiert mit ihrem Bildwerk beim Betrachter eine Gewissensprüfung, appelliert an sein Verantwortungsbewusstsein, mit dem Ziel Handlungsimpulse zu setzen.

In Ergänzung zu den Zyklen „Genesis" und „Zeiten" entstanden die Serien „Mandalas" und „Licht-Bilder". Hier fordert Renate Kirchhof-Stahlmann zum Innehalten in der Zeit und zu einer Rückfindung zur Natur auf, um hieraus resultierend eine Besinnung auf das Wesentliche im eigenen Selbst zu finden.

1998 gestaltete Renate Kirchhof-Stahlmann für den Eingangsbereich des „Haus der Zukunft" in Hamburg, in dem auch B.A.U.M. seinen Sitz hat, ein 4 x 4 Meter großes Wandbild mit dem Titel LUDUS UNIVERSIS. Das Grundelement bildet der Kreis als Symbolisierung des Universums, das in seiner Gesamtheit das Zusammenwirken der Kräfte darstellt. Mit diesem und ihren weiteren Bildern dort trägt sie dem Gedanken des Hauses, in dem Verbände und Unternehmen aus dem Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeit wirken, auf hervorragende Weise Rechnung.

Neben dem zeichnerischen Werk entstehen seit einigen Jahren Objekte aus Fundstücken in der Tradition der „arte povera". Renate Kirchhof-Stahlmann erschafft Kunstwerke unter Einsatz des Existenten, dem bereits Entsorgten, scheinbar Nutzlosen, um durch Zusammenfügen eine neue, veränderte Aussage zu erhalten.

Auch hier zieht sich das Thema „Zeit" wie ein roter Faden durch ihr Werk – gerade auch als Versinnbildlichung des Innehaltens und Überdenkens, der Umkehr des Handelns und der Endlichkeit eines möglichen Veränderungsprozesses.

Im Mai 2012 initiierte Renate Kirchhof-Stahlmann zusammen mit ihrem Mann unter hohem finanziellem und persönlichem Engagement den Kultur-Bahnhof Ottensoos im historischen Bahnhofsgebäude an der Bahnstrecke Nürnberg – Schwandorf. Als Mittler zwischen Kultur und Nachhaltigkeit bietet er auf vielfältige Weise speziell Kulturschaffenden Raum, die sich der Umweltproblematik und deren Lösungsansätzen verschrieben haben. Über die Region hinaus gibt der Kulturbahnhof Anregungen zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den Kulturbahnhof Ottensoos als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet.

Renate Kirchhof-Stahlmann engagiert sich für umweltökonomische Fragen im Frauennetzwerk „Vorsorgendes Wirtschaften" und erhielt 1964 den Preis der Akademie der Bildenden Künste München sowie 1972 den Förderpreis der Stadt Kempten.

Ihr gelingt es mit der Kraft ihrer Kunst eine emotionale Betroffenheit beim Betrachter auszulösen, indem sie komplexe Sachverhalte aufrüttelnd verbildlicht. Über diese Betroffenheit motiviert sie den Betrachter, aktiv nach einer zukunftsfähigen Lebensweise zu suchen. Durch die Initiierung und Realisierung des Kulturbahnhofs Ottensoos hat Renate Kirchhof-Stahlmann eindrucksvoll gezeigt, wie nachhaltige Bildung aussehen kann.

In Anerkennung ihrer Leistung erhält Renate Kirchhof-Stahlmann den B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie „Medien und Kultur".




 



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