Damit Ihr Unternehmen zukünftig von den Vorteilen eines exzellenten Reportings profitieren kann, ordnen die Autor:innen die Entwicklung der Berichtspraxis der vergangenen Jahre ein, verraten, auf welche Gütekriterien sie bei ihren Analysen besonders achten, und zeigen, warum Qualität in der Nachhaltigkeitsberichterstattung längst ein strategischer Erfolgsfaktor geworden ist.
Nachhaltigkeitsberichte sind für Analyst:innen aus dem Sustainable-Finance-Bereich die zentrale Grundlage zur Bewertung von Unternehmen. Dabei unterscheiden sich die Berichte trotz detaillierter neuer regulatorischer Vorgaben weiterhin häufig deutlich in ihrer Struktur und Qualität.
Als Mitglieder der Research-Teams von GLS Investments und Green Growth Futura analysieren wir Jahr für Jahr viele Hunderte Unternehmen. Unser Ziel: eine fundierte Meinung darüber zu erlangen, welche Unternehmen aus Nachhaltigkeitsperspektive besonders geeignet sind für eine Aufnahme in das Anlageuniversum von GLS Investments. Dabei betrachten wir sowohl die betriebliche Nachhaltigkeitsperformance als auch die Nachhaltigkeit des Produktportfolios. Die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen nehmen dabei eine zentrale Rolle als Informations- und Entscheidungsgrundlage ein.
Wie sich das Reporting entwickelt hat – und was wir beobachten
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen stark professionalisiert. Aus kurzen Umweltstatements, die sich meist auf ökologische Aspekte beschränkten, sind umfassende Berichte geworden, die den Dreiklang aus Umwelt, Sozialem und Governance (ESG) ganzheitlich abbilden.
Diese Professionalisierung ist nicht nur auf komplexere Berichtsstandards und präzisere Messmethoden für KPIs zurückzuführen. Auch innerhalb der Unternehmen gab es entscheidende Fortschritte: So haben sich zum einen vielerorts spezialisierte Nachhaltigkeitsteams etabliert, die für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategien verantwortlich sind, und zum anderen werden die zur Verfügung stehenden Nachhaltigkeitsdaten immer häufiger mittels digitaler Tools ins klassische Controlling integriert.
ESRS und die doppelte Wesentlichkeit
Auf regulatorischer Ebene treibt Europa die Standardisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung weiter voran. Für große, kapitalmarktorientierte Unternehmen innerhalb der Europäischen Union ersetzen die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ab dem Geschäftsjahr 2024 die bisherige Berichtspflicht nach der Non-Financial Reporting Directive (NFRD). In den kommenden Jahren wird der Anwendungsbereich dann in weiteren Wellen auch auf kleinere börsennotierte Unternehmen ausgeweitet.
Die ESRS verpflichtet Unternehmen zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsthemen, die entweder finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen haben oder bei denen das Unternehmen selbst eine wesentliche Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft ausübt („Impact Materiality“). Im Vergleich zur früheren NFRD hat sich der Umfang der Berichtspflichten damit deutlich erweitert.
Diese Entwicklung bietet aus unserer Sicht einen klaren Vorteil: Unternehmen müssen sich nun gemeinsam mit ihren Stakeholdern systematisch mit den wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen auseinandersetzen, diese priorisieren und in ihre strategische Ausrichtung integrieren. Aus Analyst:innen-Sicht markiert das einen Paradigmenwechsel – hin zu einem Reporting, das strategische Relevanz gewinnt.
Unsere Analysen zeigen, dass sich die thematische Breite in vielen Berichten in der Folge deutlich vergrößert hat – ein Zeichen für ein umfassenderes Nachhaltigkeitsverständnis. Gleichzeitig birgt die neue Regelung aber auch Risiken: Die Pflicht zur Berichterstattung über bestimmte Themen könnte beispielsweise dazu führen, dass Unternehmen sich ausschließlich auf regulatorisch geforderte Inhalte konzentrieren, während individuelle, unternehmensspezifische Nachhaltigkeitsaspekte in den Hintergrund treten.
Worauf wir in den Berichten besonders achten
Trotz des immer präziser ausgefeilten regulatorischen Rahmens stellen wir fest, dass sich die von uns analysierten Nachhaltigkeitsberichte weiterhin stark in ihrer Qualität unterscheiden. Doch was zeichnet einen gelungenen Report aus Analyst:innen-Sicht aus? Hier sind einige der Fragen, die wir uns beim Prüfen stellen:
Strategie und Geschäftsmodell
- Geht klar hervor, wie das Unternehmen Nachhaltigkeit sowohl in seiner Geschäftstätigkeit (z.B. Bau von Windturbinen) als auch in seiner innerbetrieblichen Ausrichtung (z.B. Boni gekoppelt an Nachhaltigkeitsziele) vorantreibt?
- Ist nachvollziehbar, welchen konkreten Beitrag das Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung leistet – sowohl auf Produkt- als auch auf strategischer Ebene?
- Positivbeispiel: Unternehmen, die den Umsatz nachhaltiger Produktlinien von konventionellen Produkten abgrenzen und transparent machen, bieten uns eine besonders hilfreiche Entscheidungsgrundlage.
Ziele und Messbarkeit
- Gibt es klar formulierte, quantitative Ziele, die sowohl mittel- als auch langfristige Perspektiven abbilden? Wir bewerten die Strategie und Entwicklung maßgeblich anhand dieser Zielsetzungen.
- Werden regelmäßig Informationen über erzielte Fortschritte geliefert? Dies ist essenziell, da wir Unternehmen oft über längere Zeiträume begleiten.
Nachvollziehbarkeit und Transparenz
- Kommt es zu Verschiebungen von Kennzahlen – etwa aufgrund neuer Messmethoden oder Veränderungen im Konsolidierungskreis?
- Wünschenswert: Wenn Unternehmen in solchen Fällen offenlegen und nachvollziehbar erklären, warum es zu signifikanten Abweichungen kommt. Diese Offenheit stärkt die Glaubwürdigkeit und die Basis für unsere fundierte Bewertung.
Warum es sich lohnt, über die Mindestanforderungen hinauszugehen
Wir sind uns bewusst, dass eine ganzheitliche Berichterstattung anspruchsvoll ist und seitens der Unternehmen einen erheblichen Ressourceneinsatz erfordert. Doch die Erfahrung zeigt: Unternehmen, die über die bloße Erfüllung regulatorischer Mindestanforderungen hinausgehen, profitieren langfristig – und zwar in unterschiedlichen Bereichen:
- Kapitalzugang: Nachhaltigkeitsberichte dienen nicht nur Fondsmanager:innen und Investor:innen als Entscheidungsgrundlage. Auch Banken und Förderinstitutionen berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien zunehmend bei der Kapitalvergabe.
- Risikominimierung: Durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Risikomanagement können potenzielle negative Entwicklungen frühzeitig erkannt und adressiert werden.
- Kostenkontrolle: Die Einführung von Nachhaltigkeitsprozessen kann betriebswirtschaftliche Vorteile bringen. Ein verbessertes Energiemanagement hilft z.B., Einsparpotenziale zu identifizieren und Betriebskosten zu senken.
- „License to operate“: Aussagekräftige Berichte stärken Vertrauen und Reputation am Arbeitsmarkt und gegenüber Kund:innen, erhöhen die Attraktivität als Arbeitgeber und sichern nicht zuletzt die gesellschaftliche Akzeptanz.
Von der Pflicht zur Überzeugung
Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht nur berichten, sondern überzeugend belegen, schaffen Vertrauen – bei Investor:innen, Kund:innen und der Gesellschaft. Für uns Analyst:innen ist hochwertiges Reporting mehr als ein Prüfstein: es ist Ausdruck einer klaren Haltung. Wer die Qualität seines Reportings als strategische Chance begreift, statt als regulatorische Pflicht, stärkt nicht nur die eigene Wettbewerbsposition, sondern leistet einen echten Beitrag zur nachhaltigen Transformation. Hochwertige Nachhaltigkeitsberichte sind damit weit mehr als Compliance – sie sind ein Schlüssel zu Glaubwürdigkeit, Wirkung und langfristigem Erfolg.
Dies ist ein Beitrag aus BAUM Insights 1/2026.
Die eine der Autor:innen, Marieke Knußmann, ist seit 2021 bei der GLS Investment Management GmbH tätig und dort für das sozial-ökologische Research der Publikumsfonds zuständig.
Der andere, Benedikt Gieseler, ist Senior Sustainability Analyst bei der Green Growth Futura GmbH und verantwortet das Nachhaltigkeitsresearch für den auf nachhaltige Small- und Mid-Caps spezialisierten BAUM Fair Future Fonds.
