In einem Schreiben an das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz nahm die stellvertretende BAUM-Vorsitzende Marion Sollbach für den BAUM-Vorstand Stellung zu einer Überarbeitete Delegierten-Verordnung betreffend Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD).
Nach einführenden Worten zu BAUM schreibt Marion Sollbach:
„BAUM e.V. bekennt sich ausdrücklich zur Nachhaltigkeitsberichterstattung als einem zentralen Instrument auf dem Weg einer nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Transparente, vergleichbare und verlässliche Informationen über ökologische, soziale und Governance-Leistungen sind eine wesentliche Grundlage für verantwortungsvolle Entscheidungen, wirksame Steuerung sowie für das Vertrauen von Marktakteuren und Öffentlichkeit.
Zugleich unterstützt BAUM e.V. den Ansatz, Nachhaltigkeitsberichterstattung pragmatisch weiterzuentwickeln und den Aufwand für berichtspflichtige Unternehmen zu optimieren. Effizienz und Praxisnähe sind entscheidend, damit Berichterstattung ihre transformative Wirkung entfalten kann und Kapazitäten für die Umsetzung transformativer Maßnahmen frei bleiben.
Bedauern über die Reduktion der berichtspflichtigen Unternehmen
Kritisch sieht BAUM e.V. die drastische Reduktion der berichtspflichtigen Unternehmen, deren Zahl sogar hinter den Kreis der Unternehmen zurückfällt, die bereits nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) berichtspflichtig waren. Damit drohen wichtige Impulse für Transparenz, Vergleichbarkeit und Transformation verloren zu gehen – insbesondere im Mittelstand, der für die nachhaltige Transformation der Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielt.
Vereinfachung der ESRS und Einbeziehung von Praxiserfahrungen
BAUM e.V. begrüßt die überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und den Anspruch, die Standards kürzer, klarer und praxisnäher zu gestalten, ohne die Zielsetzung zu reduzieren. Der Fokus auf quantitative Datenpunkte macht die Unternehmensinformationen vergleichbarer und die Daten für Investoren, Banken und andere Stakeholder besser nutzbar.
Positiv hervorzuheben ist der deutlich verbesserte Multistakeholderdialog. Die Beteiligungsmöglichkeiten für Unternehmen aller Größenordnungen sowie für weitere relevante Akteursgruppen sind breiter und strukturierter als bei der ersten Erarbeitung der Standards. Besonders die Erfahrungen der Unternehmen der ersten Welle wurden systematisch aufgegriffen und in die Überarbeitung einbezogen. Dies stärkt die Akzeptanz der ESRS und erhöht ihre Wirksamkeit als Transformationsinstrument.
BAUM e.V. betont, dass Vereinfachung nicht mit Absenkung des Ambitionsniveaus gleichgesetzt werden darf. Verständliche, kohärente und praxistaugliche Anforderungen sind eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur als Compliance-Instrument wahrgenommen wird, sondern als strategisches Steuerungs- und Transformationsinstrument genutzt werden kann. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) zeigt seit 2012 mit seiner Datenbank, dass schon mit fokussierten Berichtsanforderungen wichtige Aussagen zu Chancen und Risiken möglich sind. Diese Informationen helfen Nutzer:innen beim eigenen Chancen- und Risikomanagement. Wenn etwa auf Transitionspläne verzichtet wird, lässt sich die langfristige Tragfähigkeit von Geschäfts- und Investitionspartnerschaften deutlich schlechter beurteilen.
Fokus auf unternehmensspezifische Wesentlichkeit
Ein zentrales Instrument der ESRS bleibt die doppelte Wesentlichkeit. BAUM e.V. begrüßt den verständlicheren Ansatz, der Unternehmen hilft, sich auf die für ihr Geschäftsmodell relevanten Nachhaltigkeitsthemen zu konzentrieren, anstatt primär auf Compliance-Anforderungen der Prüfer zu reagieren.
Für die praktische Umsetzung wünscht sich BAUM e.V. zusätzliche Hilfestellungen, etwa praxisorientierte Leitfäden zu branchenüblichen wesentlichen Themen wie sie aktuell vom DNK-Helpdesk erarbeitet werden und Teilen bewährter Vorgehensweisen, um die Qualität der Berichterstattung zu entwickeln. Ein Zwischenmodul für Einsteigerunternehmen in die freiwillige Berichterstattung, die sich am ESRS orientiert würde Mittelständlern, Aufwand reduzieren und Vergleichbarkeit fördern helfen.
Fortschritt nur mit Daten aus der Wertschöpfungskette
BAUM e.V. begrüßt ausdrücklich, dass im Standard klargestellt wird, dass für Daten aus der gesamten Wertschöpfungskette auch auf Schätzungen oder Branchen- bzw. Sekundärdaten zurückgegriffen werden kann. Diese Klarstellung schafft Rechtssicherheit und entlastet berichtspflichtige Unternehmen kurzfristig.
Gleichzeitig betont BAUM e.V., dass diese Erleichterung nur eine Übergangslösung sein kann. Langfristig ist es unerlässlich, IST-Daten aus der gesamten Wertschöpfungskette zu erheben, um Fortschritte glaubwürdig darstellen und steuern zu können. Die drastische Reduktion der berichtspflichtigen Unternehmen erschwert dies jedoch, insbesondere bei KMU, die dann häufig keine Daten bereitstellen können.
Förderung freiwilliger Nachhaltigkeitsberichterstattung
BAUM e.V. hofft, dass viele Unternehmen, die aus der Berichtspflicht herausgefallen sind, die im Zuge der CSRD-Vorbereitung begonnenen Prozesse fortführen. Die Strukturen und Inhalte können für freiwillige Berichterstattung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex genutzt werden, der ESRS und VSME integriert hat.
Von zentraler Bedeutung ist, dass die im Rahmen der doppelten Wesentlichkeit identifizierten Chancen und Risiken weiterhin systematisch bearbeitet werden. Dies sichert belastbare Daten für berichtspflichtige Kunden und Lieferanten und ist zugleich Voraussetzung für verantwortungsvolles Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen. Freiwillige, strukturierte Berichterstattung trägt dazu bei, Transparenz, Lernprozesse und Transformationsdynamik auch jenseits formaler Berichtspflichten aufrechtzuerhalten.
Öffentliche Beschaffung als Hebel für nachhaltiges Wirtschaften
Abschließend wünscht sich BAUM e.V., dass die Bundesregierung die Arbeit an einer zentralen, nutzerfreundlichen Berichtsplattform konsequent fortführt. Eine solche Plattform kann Aufwand reduzieren, Vergleichbarkeit erhöhen und Mehrfachabfragen vermeiden.
Darüber hinaus spricht sich BAUM e.V. dafür aus, Unternehmen, die unabhängig von formaler Berichtspflicht substanziell und glaubwürdig über ihre Nachhaltigkeitsleistungen berichten, bei der öffentlichen Beschaffung angemessen zu berücksichtigen. Dies schafft Anreize für freiwillige Berichterstattung und unterstützt die nachhaltige Transformation der Wirtschaft.“
