Fundierte klimabezogene Entscheidungen für Unternehmen

26. März 2026 | Einblicke & Perspektiven, Klima & Energie, Sustainable Finance & Berichterstattung

In einem Pilotprojekt zur Messung von Klimawirkung kooperiert BAUM mit right° und PKF IVT. Ziel der Initiative ist, eine Verbandslösung zu etablieren, mit der BAUM-Mitglieder die Klimawirkung ihrer Geschäftsmodelle in Grad Celsius messen und ihre jährliche Entwicklung direkt mit dem 1,5°-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens abgleichen können. Die Initiative steht im Kontext des EU Climate Pact, bei dem sich BAUM in diesem Jahr als Partner engagiert.

right° bringt die technologische Grundlage in das Pilotprojekt ein, während PKF IVT das Projektmanagement übernimmt und die Umsetzung begleitet. Beide Partner verfügen über langjährige Erfahrung mit der Organisation und Steuerung von Transition in Unternehmen. Der Ansatz verbindet eine vergleichbare Grad-Celsius-Kennzahl mit hoher Steuerungsrelevanz, Transparenz und Vergleichbarkeit. Grundlage ist das Klimamodell des IPCC, aus dem sich ein Emissionsbudget ableitet, das hinter dem 1,5°-Ziel steht.

Wirtschaftliche Wertschöpfung von Emissionen entkoppeln

Im Kern geht es darum, die wirtschaftliche Wertschöpfung – also das BIP auf Unternehmensebene – von Emissionen zu entkoppeln. Diese Entkopplung ist ein zentrales Ziel des European Green Deal und gilt, so Hannah Helmke von right°, als Ausdruck einer Innovations- und Hightech-Agenda. Je stärker es Unternehmen gelingt, Emissionen von ihrer Wertschöpfung zu lösen, desto näher kommen sie der Paris-Kompatibilität. Beispiele wie Siemens Healthineers zeigen, dass ein sogenannter „Paris-konformer Track Record“ erreichbar ist: „Solche Firmen wollen wir sehen“, so Helmke.

Verbandslösung für BAUM-Mitglieder

Für BAUM-Mitglieder entsteht durch das Projekt erstmals die Möglichkeit, die eigene Position im Transformationsprozess präzise zu bestimmen. Damit legt das Projekt die Grundlage dafür, vom reinen Messen ins Steuern zu kommen – also auch kritisch zu hinterfragen, ob Investitionen tatsächlich wirksam sind oder lediglich Kosten verursachen, ohne zur Zielerreichung beizutragen. Die Anwendung ist strategisch in mehrfacher Hinsicht relevant:

  1. Anforderungen aus der CSRD und insbesondere ESRS E1 können wissenschaftsbasiert und prüfbar unterlegt werden.
  2. Die Methodik unterstützt unternehmerische Entscheidungen, indem Investitionen im Hinblick auf ihre Klima- und Geschäftswirkung bewertet werden können.
  3. Sie stärkt Reputation und Glaubwürdigkeit, da Klimastrategien transparent und nachvollziehbar gemacht werden.

Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Branchen verdeutlichen die Bandbreite: Unternehmen wie Redcare stehen vor der Herausforderung, ihre Transitionspläne mit dynamischem Wachstum in Einklang zu bringen, während die Dürr AG oder die Gira Giersiepen GmbH & Co. KG zeigen, wie sich Klimawirkung bereits heute strategisch und kommunikativ nutzen lässt – bis hin zur Positionierung in Grad Celsius gegenüber dem Markt.

Differenziertes Benchmarking

Die konkrete Umsetzung erfolgt über ein Template, das von den Unternehmen befüllt wird. Zu den zentralen Eingangsgrößen zählen unter anderem NACE-Code, Umsatz, Personalkosten, EBITDA sowie Emissionen in Scope 1, 2 und 3, die die gesamte Wertschöpfung abbilden. Die Daten werden zunächst über das Template an right° übermittelt; perspektivisch ist eine direkte Eingabe in eine Datenbank vorgesehen. Je mehr historische Daten vorliegen – idealerweise ab dem Basisjahr 2021 –, desto robuster und nachvollziehbarer werden die Ergebnisse.

Die Unternehmen erhalten daraufhin ein differenziertes Benchmarking: sowohl im Vergleich zu frei wählbaren Unternehmen, die börsengelistet sein müssen, als auch relativ zum jeweiligen Sektor. Für alle, die einen Schritt weiter als das BAUM-Projekt gehen möchten, liefert die XDC-Software konkrete Entscheidungshilfen, indem sie aufzeigt, wie und wann sich Investitionen auf die Klimawirkung auswirken.

Auf Verbandsebene entsteht ein aggregiertes, anonymisiertes Gesamtbild, das im Vergleich zu Referenzgrößen wie dem „whatif? Report“ mit DAX-Unternehmen eingeordnet werden kann und eine fundierte Grundlage für Kommunikation und Stakeholdermanagement bietet.

Zentrale Fragen beim Kick-off-Workshop

In der Diskussion beim Kick-off-Workshop am 19. März 2026 wurden zentrale Fragen adressiert. So können fehlende Scope-3-Daten über den frei zugänglichen Climate Explorer von right° sektorspezifisch geschätzt werden. Unternehmensspezifische Emissionsbudgets werden anteilig an der Wertschöpfung abgeleitet. Gleichzeitig wurde klargestellt, dass die individuellen Ergebnisse vertraulich bleiben und ausschließlich in aggregierter Form in die Verbandsauswertung einfließen.

Auch regulatorische Fragen, etwa im Zusammenhang mit der Empowering Consumers Directive (EmpCo), wurden angesprochen: Sobald Grad-Celsius-Aussagen in der B2C-Kommunikation genutzt werden, müssen die zugrunde liegenden Daten extern abgesichert werden. right° stellt hierzu ein entsprechendes Kommunikationshandbuch bereit.

Über die reine Zielvalidierung hinaus

Im Vergleich zu anderen Initiativen wie der Science Based Targets initiative (SBTi) wird deutlich, dass XDC über die reine Zielvalidierung hinausgeht. Während SBTi prüft, ob Klimaziele im Einklang mit dem Pariser Abkommen stehen, bietet XDC zusätzlich ein Transitionsmodul, mit dem Unternehmen jährlich ihren Fortschritt entlang eines konkreten Pfads verfolgen und ihre Governance entsprechend ausrichten können. Voraussetzung ist, dass die zugrundeliegenden Emissionsdaten bereits intern oder extern geprüft wurden. Die zentrale Botschaft des Ansatzes lautet: XDC bewertet nicht, sondern macht steuerungsfähig. Es schafft Transparenz über Entwicklungen und ermöglicht fundierte Entscheidungen im Transformationsprozess.

Das Pilotprojekt läuft bis zum 27. November 2026. Nächste Schritte sind:

Es folgt ein weiterer Deep Dive, dessen Inhalt und Termin im Prozess nach den Bedürfnissen der BAUM-Mitglieder festgelegt wird.

Grafik zum Pilotprojekt Klimamessung
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