Bundespreis UMWELT & BAUEN – Zwischen Erhalt und Innovation

07. Mai 2026 | Circular Economy, Einblicke & Perspektiven, Klima & Energie

Ob ökologische Optimierung eines modernen Bürogebäudes oder die plastikfreie Sanierung einer Fachwerkscheune: Bauen im Bestand ist vielfältig und bietet großes Potenzial für den Umwelt- und Klimaschutz. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zeichneten am 6. Mai mit der Verleihung des Bundespreises UMWELT & BAUEN in Berlin sieben Projekte aus, die Nachhaltigkeit und wertschätzende Architektursprache zukunftweisend miteinander verknüpfen.

Der Bundespreis UMWELT & BAUEN geht an drei Gebäude: In der Kategorie Wohngebäude erhält den Preis das Wohn- und Gemeinschaftsprojekt Collegium Academicum in Heidelberg. Die Mehrzweckhalle Ingerkingen und das Integrative Familienzentrum in Dresden werden in der Kategorie Nichtwohngebäude ausgezeichnet.

Die Projekte könnten kaum unterschiedlicher sein: Eine ehemalige Kaserne wurde in sozialen Wohnraum umgewandelt, eine Sporthalle zu einer Mehrzweckhalle und eine verlassene Schokoladenfabrik ist nun ein Familienzentrum. Allen gemeinsam ist ihr wertschätzender Umgang mit dem Gebäudebestand und der Baukultur. Trotz enger Budgets entstanden so Gebäude, die in ästhetischer, funktionaler und nachhaltiger Hinsicht überzeugen.

Neben den drei Preisträgern erhalten vier Projekte die besondere Anerkennung der Fachjury. Ausgelobt wurde der Wettbewerb für Projekte des Bauens im Bestand in den Kategorien Wohngebäude, Nichtwohngebäude und Quartiere. Zudem gab es einen Sonderpreis für Bauprodukte und Innovationen. Nach 2020 und 2021 endet damit die dritte Auslobung. Die Bewerbung stand allen Beteiligten abgeschlossener Bauprojekte in Deutschland beziehungsweise marktverfügbarer Bauprodukte offen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte die Bedeutung des Bauens im Bestand von Bestandsgebäuden für den Umwelt- und Klimaschutz: „Die Frage, wie wir bauen, macht für die Umwelt einen großen Unterschied, denn dabei geht es um enorm viele Ressourcen, um klugen Materialeinsatz und um Energieeffizienz. Die ausgezeichneten Projekte sind dafür Vorbilder, weil sie erfolgreich zeigen, wie gute Architektur und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft kombiniert werden können. Nachhaltiges Bauen ist dabei vor allem nachhaltiges Umbauen. Denn Weiternutzung, Um- und Ausbau von Gebäuden sparen wertvolle Ressourcen.“

Ptof. Dr. Lilian Busse, Vizepräsidentin des Umweltbundesamts: „Auch wenn wir heute nur eine Auswahl kennenlernen werden, haben alle Bewerbungen eines gemeinsam: Sie gehen voran und ebnen den Weg für die Bauwende. Für diesen Mut und die Initiative möchte ich all diesen Projektteams herzlich danken!“

Neben der ökologischen Qualität spielten bei der Preisvergabe auch die Baukosten eine wichtige Rolle, diese wurden durch das Umweltbundesamt ausgewertet. Busse zeigte eine Grafik, die die berichteten Baukosten pro Quadratmeter (Baukonstruktion, Gebäudetechnik und Außenanlagen) zur Nachhaltigkeitsqualität ins Verhältnis setzt: „Was wir sehen ist eine Punktwolke. Den Zusammenhang ‚je nachhaltiger desto teurer‘ zeigen die Daten nicht.“

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Rita Schwarzelühr-Sutter ordnete das ein: „Nachhaltiges Bauen beginnt mit guter Planung. Wenn ökologische Ziele von Anfang an mitgedacht werden, entstehen Lösungen, die wirtschaftlich tragfähig sind und zugleich hohe Qualität schaffen. Entscheidend ist, genau hinzusehen: Was ist wirklich nötig, was kann erhalten bleiben, was lässt sich einfacher lösen? Oft entsteht die bessere Lösung nicht durch immer mehr Haustechnik, sondern durch kluges Weglassen – darin liegt ein großer Gewinn für Umwelt, Klima und Baukultur.“

Preisträger des Bundespreis UMWELT & BAUEN

Kategorie Wohngebäude

  • Wohn- und Gemeinschaftsprojekt Collegium Academicum | Heidelberg | Preisträger | gerstner + hofmeister architekten

Kategorie Nichtwohngebäude

  • Mehrzweckhalle Ingerkingen | Preisträger | Atelier Kaiser Shen
  • Integratives Familienzentrum | Dresden | Preisträger | Alexander Poetzsch Architekturen
  • Reithalle Achern | Besondere Anerkennung | Michael Welle Architektur
  • Büroerweiterung | Öhringen | Besondere Anerkennung | Steinbach Schimmel Architekten

Sonderpreis für Bauprodukte, bautechnische und digitale Innovationen

  • Lehm-Dünnbettmörtel | Besondere Anerkennung | ClayTec
  • 0 | Stuttgart | Besondere Anerkennung | Ed. Züblin AG

Die Jury

Den Vorsitz der Jury haben Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium) und Prof. Christa Reicher (Professorin für Städtebau und Entwerfen an der RWTH Aachen). Weitere Jurymitglieder sind: Dr. Tanja Brockmann (Referatsleiterin im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung – BBSR), Dr. Rolf Buschmann (Vorstandsvorsitzender natureplus), Prof. Dr. Lilian Busse (Vizepräsidentin des Umweltbundesamtes), Bernd Düsterdiek (Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds), Andrea Gebhard (Präsidentin der Bundesarchitektenkammer), Dr. Christine Lemaitre (geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB), Emre Onur (Chefredakteur der db deutsche bauzeitung), Prof. Eike Roswag-Klinge (Leiter Natural Building Lab TU Berlin, Geschäftsführer ZRS-Architekten), Susanne Wartzeck (vormalige Präsidentin des Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten – BDA), Dr. Melanie Weber-Moritz (Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbunds).

Das Öko-Zentrum NRW hat im Auftrag des BMUKN den Bundespreis konzipiert und ist gemeinsam mit seinen Projektpartnern MediaCompany und BAUM e.V. für die organisatorische Durchführung verantwortlich.

Verleihung Bundespreis UMWELT & BAUEN
Ein Sonderpreis für Bauprodukte, bautechnische und digitale Innovationen ging an das BAUM-Mitglied ClayTec. V.l.n.r.: die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn, die Vizepräsidentin des Umweltbundesamts Prof. Dr. Lilian Busse sowie Peter und Maximilian Breidenbach von ClayTec.
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