Mit Bestürzung haben wir vom Tod Christine von Weizsäckers erfahren. Mit ihr verliert die biologische Vielfalt eine engagierte Fürsprecherin und die internationale Naturschutzbewegung ein großes Vorbild. Wir trauern um die BAUM-Preisträgerin von 2017 und sind in Gedanken bei ihren Angehörigen.
Seit dem Erdgipfel in Rio 1992 engagierte sich Christine von Weizsäcker auf den internationalen Vertragsstaatenkonferenzen für den Schutz der Biodiversität. Die studierte Biologin trug ganz erheblich zur Weiterentwicklung der UN-Konvention über biologische Vielfalt bei und nahm Einfluss auf Folgeabkommen wie das Cartagena- und das Nagoya-Protokoll. Gemeinsam mit Landwirt*innen, Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden setzte sie sich auf vielen Kontinenten für den Erhalt der biologischen Vielfalt und gegen die gentechnische Manipulation von Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln ein. Mit Nachdruck erinnerte sie dabei an das Recht aller Staaten, auch der des Globalen Südens, über Importe für gentechnisch veränderte Organismen souverän zu entscheiden.
Mitte der 1970er Jahre trug Christine von Weizsäcker zudem mit dem Konzept der Fehlerfreundlichkeit zur wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte über Technikfolgenabschätzung bei. Ausgehend von der Tatsache, dass sich Abweichungen vom erwarteten Lauf der Dinge nicht ausschließen lassen, plädierte sie dafür, durch die Beschreibung von Vorbedingungen sowie durch Strategien wie Vorsorge und Nachhaltigkeit angesichts dieser „Fehler“ lern- und antwortfähig zu bleiben.
Ein Vorbild für viele
Christine von Weizsäcker kämpfte hartnäckig, aber ohne jeglichen Geltungsdrang für ihre Anliegen: „Ich brauche keine Sichtbarkeit als Prophetin der Weltrettung, aber solange meine jungen Freunde meine Anwesenheit und meine Erfahrung bei internationalen Umweltverhandlungen sehr nützlich finden, versuche ich beizutragen, so gut ich kann.“ Durch diese Haltung ist sie vielen zum Vorbild geworden, die sie nicht vergessen werden.
