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VERSICHERUNGSWIRTSCHAFT UND NACHHALTIGKEIT - AKTUELLE THEMENSETZUNG UND DISKUSSIONEN

Wie gestalten Versicherer nachhaltigen Wandel in einer zunehmend unsicheren Welt? Was sind die Anforderungen und Aktivitäten und wie lassen sie sich beurteilen? Das wollten wir bei einem Unternehmenstreff Nachhaltigkeit am 26. August 2022 wissen. Die B.A.U.M.-Vorsitzende Yvonne Zwick moderierte die Veranstaltung und fasst hier die Diskussion zusammen.

Der Unternehmenstreff Nachhaltigkeit ist eine kostenlose Veranstaltungsreihe alle zwei Wochen freitags zwischen 9 und 10.30 Uhr für alle B.A.U.M.-Mitglieder und alle, die es werden wollen, sowie für Interessierte und Netzwerkpartner:innen, die mit uns gemeinsam nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsmodell der Zukunft sehen. Am 26. August 2022 haben wir die Versicherungswirtschaft in den Fokus gerückt. Was qualifiziert eine nachhaltige Versicherung in einer durch multiple Krisen geprägten Welt? Wie wirkt nachhaltige Versicherungspraxis auf eine nachhaltige Entwicklung, etwa in dem sie nachhaltige Managementpraxis und unternehmerische Vorausschau nachfragt und belohnt?

Anlass für die Themensetzung war die Wahrnehmung, dass zuletzt deutliche Bewegung in die Branche kam. Indikatoren dafür waren aus meiner Sicht eine konstruktive Positionierung des Gesamtverbands der Versicherer und damit dessen erster Nachhaltigkeitsbericht im Herbst 2021. Bei B.A.U.M. selbst nehmen wir eine deutliche Dynamisierung von Beitritten aus der Branche wahr.

Dr. Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter, und Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, stellten ihr Nachhaltigkeitsrating für Versicherungen und dessen Methodik vor. Dr. Will beschrieb das enorme Potenzial der Wirkung stärkerer Nachhaltigkeitsausrichtung von Versicherungen, das sich in den Produkten, im Geschäftsbetrieb und in der Kommunikation manifestiert – oder nicht. Im Rating-Ansatz der Assekurata steckten zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Bemerkenswert war aus meiner Sicht die ganzheitliche und überzeugende Herangehensweise, die neben den Must-have, die wir aus den gängigen Standards und Rahmenwerken kennen, auch die Kultur bewertet. Freuen dürfte Nachhaltigkeitsmanager:innen, dass auch die personelle Ressourcenausstattung in die Bewertung einfließt. Ein bisschen staunte ich über die Wertschätzung eines Nachhaltigkeitsbeirates, da ich selbst mit dieser (recht dialogorientierten, in der Verbindlichkeit schwachen? = These) Organisationsform immer etwas hadere.

Svetlana Thaller-Honold, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement bei der Gothaer Versicherung, die im Assekurata Rating mit A+ bewertet wurde, und Stephan Bongwald, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Barmenia Versicherungen, die mit AA aus dem Assekurata Ratingprozess gegangen sind, gaben Einblicke in die Nachhaltigkeitspraxis ihrer Häuser. Frau Thaller-Honold sagte steil: "Wir helfen 500 Unternehmen binnen 5 Jahren ihre CO2-Emissionen um 50% zu senken." Wir sprechen uns also sicher wieder, würde ich sagen, um von diesen Erfahrungen profitieren zu können. ;) Bei der Gothaer stünde der gesamte Vorstand dahinter. Wichtig sei die Botschaft "Kümmert Euch um das Kerngeschäft!" Deshalb schätzt Thaller-Honold auch den Blick des Assekurata-Assekuranzratings B auf Messung und Bestandskennzahlen und die Anwendung auf den Bestand der Investitionen. Genau da müsse die Transformationsbewegung stattfinden. Bongwald betonte, dass der Gesetzgeber insgesamt Transparenz beim Thema Nachhaltigkeit fordere. Die Versicherer selbst seien angehalten, Nachhaltigkeit zu entwickeln. Die Nachhaltigkeitspositionierung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) solle dazu beitragen. Die Barmenia werde ihren Beitrag zur Transformation zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Gesellschaft leisten. Die eigene Nachhaltigkeitspositionierung unter der Leitidee "Nachhaltig aus Überzeugung" zeigt den Weg, den der Wuppertaler Versicherer gehen will.

Im Anschluss spann Dr. Stephan Ahbe von SYRCON Darmstadt den Bogen zur "potenziellen Wirkung nachhaltiger Versicherungspraxis auf Unternehmen der Realwirtschaft". Er stellte das Instrument eco-scout und dessen Einsatzmöglichkeiten zur Beurteilung dieser Wirkungen vor. Eco-scout ist ein industriegetriebenes, nachvollziehbares und benutzerneutrales Bewertungsverfahren. Es errechnet Umweltbelastungspunkte (UBP), die für die Bewertungen von Standorten, Prozessen und Produkten (mit Herstellung, Gebrauch und Entsorgung) verwendet werden. Diese UBP können dadurch ganz ähnlich wie Kosten berechnet werden. Das Verfahren wurde mit der Unterstützung und den Zielsetzungen der obersten Umweltbehörden BMUV, UBA und EEA sowie der Volkswagen AG, der Deutschen Bahn AG und anderen Unternehmen geschaffen. Dahinter liegt ein Berechnungsalgorithmus für die ökologische Knappheit von Treibhausgasen und 19 weiteren Umwelteinwirkungen, der auf den öffentlichen Umweltzielen basiert. Dadurch eignet sich das Verfahren, für das mittlerweile auch eine industrielle Softwarelösung verfügbar ist, für eine zügige und standardisierte Bewertung in Unternehmen, ebenso für die Lebenszyklusanalyse und die Steuerung von Innovation.

Mein Fazit zum Schluss: Menschen mit Lust auf Leadership, die sich um die Komplexität kümmern und unternehmerische Entscheidungen treffen, kombiniert mit einer verständlichen, einladenden Kommunikation, können große Wirkungskreise in Bewegung versetzen. Genau das brauchen wir für die große Transformation.

Sicher ist auch: Wir bleiben dran am Thema! Es ist viel zu spannend, um es bei dieser One-shot-Veranstaltung zu belassen. Deshalb laden wir ein zum 6. Sustainable Finance Gipfel Deutschland, der das Versicherungsthema in einem Workshop mit dem Host GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. aufgreifen wird. B.A.U.M. e.V. organisiert diese Spitzenveranstaltung mit bundesweiter Strahlkraft zum zweiten Mal in Kooperation mit dem Green and Sustainable Finance Cluster Germany, dem VfU und den Financial Centers for Sustainability (FC4S). Unser Engagement wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung von Partnerinnen und Partnern, denen wir herzlich danken: Evangelische Bank, Union Investment, Assekurata Assekuranz Ratingagentur, GLS Bank, ISS ESG und Umweltbank. Die Teilnahme wird vor Ort und digital kostenlos möglich sein.

Überdies planen wir am 22. November in Geestland (Niedersachsen) einen Tageskongress nachhaltiges Wirtschaften, in dessen Rahmen wir die Perspektive Versicherung in die Region tragen werden. Vorgesehen ist eine Veranstaltungsserie, mit der wir gezielt in Regionen gehen, weil auch Mehrheiten für Nachhaltigkeit und die Sensibilität für Handlungsnotwendigkeiten in der Fläche liegen. Wohin es geht, da können Sie mit uns gespannt sein! Wenden Sie sich bei Interesse an Kooperation und Vernetzung gerne an info@baumev.de oder an die Vorsitzende Yvonne Zwick. Den krönenden Abschluss bildet Ende 2023 eine Abschlussveranstaltung in Berlin.

 





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