BAUM-Schwerpunktthema 2026: Chancen­ und Risikomanagement

06. Januar 2026 | Einblicke & Perspektiven

In einer Welt, die sich schneller wandelt, als wir es begreifen können, und die gemeinhin die VUCA-Welt genannt wird, wächst das Bedürfnis nach Halt. Doch Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch mitunter fragende Haltung. Beginnen wir die Suche also beim eigenen Standpunkt: bei unseren Werten, unserer Kultur, den Zielen, die wir erreichen wollen. Gestalten wir von hier aus Zukunft.

Chancen und Risiken abzuwägen, beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht meine Organisation heute? Eine Standortbestimmung ist kein Selbstzweck, sondern strategischer Imperativ. Nur wer weiß, was stabil ist und was brüchig wird, wenn äußere Belastungen zunehmen, kann gezielt umbauen, sichern und wachsen.

Und Handlungsfähigkeit brauchen wir wegen dieser Druckpunkte:

  • Demografischer Wandel – Arbeitskräftemangel, veränderte Erwartungen der Belegschaft und daraus resultierender Strukturwandel
  • Klimawandel und volatile Rohstoffpreise – zunehmende physische und ökonomische Risiken, Lieferkettenstörungen, Marktverschiebungen
  • Regulatorik im Übergang – unübersichtliche Anforderungen, steigende Berichtspflichten und sich ändernde öffentliche Investitionen

Diese Themen prägen unternehmerische Realität und fordern unsere Fähigkeit heraus, Schocks zu absorbieren, Leistung zu halten und gleichzeitig Innovationskraft in eine neue Wirtschaftsweise zu lenken.

Warum BAUM 2026 Chancen- und Risikomanagement ins Zentrum stellt

Orientierung in der Unsicherheit zu bieten, ist unser Leitmotiv. Die gegenwärtige Regulierungslandschaft ist komplex und dynamisch. Unternehmen suchen Klarheit, welche Berichtspflichten wann greifen, ob und wie Synergieeffekte gehoben werden können, was relevant zu berichten ist.

Dabei zeigt sich: Für Unternehmen ist nicht die perfekte Regulierung entscheidend, sondern ihre Verlässlichkeit. Ob Reporting-Pflichten, CO₂-Bepreisung, der Ein- oder Ausstieg aus bestimmten Technologien – für das Gelingen des Wandels zählt Planungssicherheit, gute Governance und kluge Weiterentwicklung bestehender Regulierung. Wenn der Eindruck entsteht, der Rechtsrahmen sei je nach politischer Konjunktur veränderbar, Regulierung könne im letzten Moment noch gekippt werden, wächst Unsicherheit. Zukunftsorientiertes Handeln fällt schwer, notwendige Investitionen werden verzögert.

Der Blick ins eigene System ist der Ausgangspunkt, um Unsicherheiten zu begegnen und sie handhabbar zu machen. Was ist objektiv die Lage des Unternehmens? Wo liegen die wesentlichen Themen, die Druck auf mein Geschäftsmodell ausüben? Welche Daten sind relevant? Die, mit denen Sie Ihr Unternehmen, Ihr Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement steuern. Auf deren Basis Investoren, Banken und Versicherungen Ihr Risiko einschätzen – weil sie es müssen, wollen wir Instabilitäten vermeiden und Resilienz erhöhen.

Laut BaFin lassen sich vier Risikokategorien unterscheiden.

  1. Regulatorische Risiken: Welche Regulierung betrifft mich? Wo kommen Standards in Konflikt?
  2. Transitorische Risiken: Wie schnell müssen wir unser Geschäftsmodell anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben? Wer zu langsam ist, verliert Marktanteile; wer zu schnell ist, überfordert Strukturen und Belegschaften.
  3. Physische und, damit einhergehend,
  4. finanzielle Risiken ausgelöst durch Wetterereignisse, Ressourcenknappheit oder Lieferkettenausfälle.

Studien prognostizieren jährliche Schäden von rund 1,2 Billionen US-Dollar für die größten globalen Unternehmen, wenn keine Anpassungsmaßnahmen erfolgen.3 Geschäftsmodelle an aktuelle Bedingungen anzupassen, führt nicht zu Zusatzkosten, sondern zu Zukunftsinvestitionen.

Ein umfassender Risikobegriff

Im Lichte nachhaltiger Entwicklung ist „Risiko“ mehr als eine Kennzahl in der Bilanz. Ob eine Herausforderung wesentlich ist, bemisst sich nicht nur an finanziellen Schwellenwerten, sondern an Wirkungen: auf Menschen, Standorte und Ökosysteme.

Ein ganzheitliches Risikomanagement fragt daher:

  • Wie wirken sich Risiken auf die Belegschaft, auf Stakeholder und Rechte-Inhabende aus?
  • Was folgt aus meinen Entscheidungen für Standorte, regionale Ökosysteme und globale Lieferketten?
  • Wie robust sind unsere Beziehungen – intern wie extern – angesichts des Wandels?

So gesehen wird Risikomanagement zum zentralen Steuerungsinstrument der nachhaltigen Organisation. Hinzu kommt ein Aspekt, der zunehmend über Erfolg oder Misserfolg von Transformation entscheidet: politische und regulatorische Verlässlichkeit. Risiken lassen sich nur sinnvoll bewerten, wenn die Spielregeln stabil sind. Für Unternehmen ist Planungssicherheit eine Voraussetzung für Berechenbarkeit – sie schafft Vertrauen und damit die Voraussetzung für Investitionen, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit.

Risiko und Chance: Zwei Seiten derselben Medaille

Wo Risiken erkannt und gemanagt werden entsteht Potenzial für Innovation, Kooperation, Stabilität. Aus der Erkenntnis können neue Produkte, effizientere Prozesse, strategische Robustheit erwachsen. Der Chancenaspekt gehört deshalb zwingend zum Risikomanagement: wer Risiken als Lernimpulse begreift, kann neue Geschäftsfelder erschließen. Genau das ist das Ziel – Resilienz durch unternehmerische Weiterentwicklung.

Unser roter Faden 2026

BAUM macht Chancen- und Risikomanagement zum Leitmotiv des Jahres 2026, das unsere Formate prägen wird:

  • Die Unternehmenstreffs Nachhaltigkeit und die BAUM-Tagung 2026 bieten Austausch über gelebte Praxis: wie Risiken identifiziert, bewertet und in Chancen verwandelt werden können.
  • Wir heben in unserer Mitgliedschaft Arbeitshilfen und Tools zu Ihrer methodischen Unterstützung: von Risiko- und Chancenbetrachtungen bis zu Best Practices.
  • Wir knabbern uns durch Studien und Publikationen, geben Tipps für Fort- und Weiterbildungen zum Thema, um Sie gut zu rüsten.

BAUM begleitet Sie auch 2026 mit Impulsen, Austausch und Werkzeugen, die Orientierung geben. Ihr Beitrag macht es möglich – mit Ihrer Mitwirkung, Ihren Erfahrungen und Perspektiven entsteht das, was BAUM ausmacht: ein Netzwerk, das Wandel gestaltet.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Engagement im vergangenen Jahr und freue mich auf das nächste!


Dies ist ein Beitrag aus BAUM Insights 1/2026.

Die Autorin, Yvonne Zwick, Dipl.Theol., ist Vorsitzende von BAUM. e.V. Sie repräsentiert BAUM. in den relevanten die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie begleitenden Stakeholdergremien der Bundesregierung und hält verschiedene Beiratsmandate. Bis 2020 war sie Stellvertretende Generalsekretärin des Rats für Nachhaltige Entwicklung und Leiterin des Büro Deutscher Nachhaltigkeitskodex.

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