Neujahrsempfang 2026: Chancen- und Risikomanagement als Treiber für nachhaltige Innovation

13. Januar 2026 | Einblicke & Perspektiven

Beim Neujahrsempfang von BAUM stand das Jahresthema 2026 „Chancen- und Risikomanagement“ im Mittelpunkt. Rund 50 Gäste waren in Berlin beim gastgebenden BAUM-Mitglied Scholz & Friends Reputation zusammengekommen. Die gleiche Anzahl Teilnehmender hatte sich digital aus ganz Deutschland zugeschaltet.

Die BAUM-Vorsitzende Yvonne Zwick begrüßte die Gäste und lud dazu ein, das neue Jahr mit inspirierenden Impulsen zum Jahresthema „Chancen- und Risikomanagement“, spannenden Diskussionen und guten Gesprächen zu beginnen. Im Anschluss stellten sich die beiden neben dem wiedergewählten stellvertretenden Vorsitzenden Martin Oldeland neu gewählten stellvertretenden Vorsitzenden Marion Sollbach und Ellen Weiland vor.

Marion Sollbach ist eine Nachhaltigkeitsexpertin mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung im Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen und als Nachhaltigkeitsberaterin. Sie möchte BAUM stärker europäisch vernetzen und den Austausch von Praxiswissen weiterentwickeln. Mit Ellen Weiland kommt eine ausgewiesene Expertin für Sustainable Finance an Bord. Zuletzt war sie beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit bzw. Gruppenleiterin Nachhaltigkeitsstrategie für die gesamthafte strategische Steuerung aller Nachhaltigkeitsaktivitäten der Sparkassenfinanzgruppe.

Impulse zum Jahresthema 2026

Joris-Johann Lenssen, Geschäftsleitung bei Scholz & Friends Reputation, erläuterte zum Thema „Chancen- und Risikomanagement“: „Wir erleben eine Renaissance der Business-Case-Debatte. Risikomanagement bedeutet heute vor allem Compliance, muss aber auch den Schutz unserer Demokratie als härteste Standortwährung integrieren. Echte Chancen entstehen dagegen primär durch innovative Wertschöpfung im Kerngeschäft. Beide Dimensionen von Risiko und Chancen sind daher wichtig und nicht voneinander zu trennen.“

Impulse aus der Praxis kamen zudem von:

  • Stefanie Eichiner, BAUM-Preisträgerin 2025, die in ihrer Doppelrolle als Head of Sustainability bei Pfleiderer Deutschland sowie als Vorstandsvorsitzende der Initiative Biodiversity in Good Company e.V. sprach;
  • Dr. Ralf Frank (Managing Partner bei sustainserv), Heike Schönberg (Prozess- und Strategie-Expertin für Compliance, Sustainability & Procurement) und Daniel Silberhorn (Senior Manager Sustainability bei plenum AG – Management Consulting), die alle drei ehrenamtlich im Gesamtvorstand von BAUM mitarbeiten.

Deutlich wurde, dass viele Verbände und Kammern in der öffentlichen Debatte um ESG und Reporting ein anderes Bild spiegeln, als Unternehmen in der betrieblichen Praxis abgeben. Für kleine Unternehmen ist es jedoch eine Herausforderung, gegenüber Einkaufsabteilungen großer Unternehmen sowie gegenüber Banken und Kapitalmarkt ihre Nachhaltigkeitsleistungen zu belegen.

Als hoch interessant bezeichneten Teilnehmende die völlig neue geopolitische Bedeutung, die Europa aktuell bekomme. Für Nachhaltigkeitsengagierte wichtig sei die Frage, wie Unternehmen in anderen EU-Länder Nachhaltigkeit denken.

Chancen und Risiken der Klimatransformation

Der Sprecher des wissenschaftlichen Kuratoriums von BAUM, Prof. Dr. Jochen Pampel (Professor für Controlling an der Universität Potsdam), sah im anbrechenden Jahr angesichts der zahlreichen Herausforderungen „viel Raum für Chancen- und Risikomanagement“. Dabei empfahl er eine Fokussierung auf wenige wichtige Dinge.

So konzentrierte er sich in seinem Impuls auf die Klimatransformation und lieferte hierzu eine kurze Analyse sowie eine Indikation aus aktuellen Forschungsergebnissen. Zwei Punkte sind für Pampel beim Chancen- und Risikomanagement in diesem Bereich entscheidend: ein Primat für marktliche Anreize gegenüber Regulierung sowie die Herauslösung der Klimafrage aus der Sustainability.

Seine Argumente: An marktliche Anreize können sich Unternehmen spezifisch anpassen. Innovationen lohnen sich, und unvermeidbarer Rückbau erfolgt marktkonform. Außerdem ließe sich so ein „besonderes Paradoxon der Regulierung“ vermeiden: Einerseits sei diese gar nicht in der Lage, Transformationsdynamik und -komplexität zu regeln, wie das Scheitern jeglicher Staatswirtschaft belege. Andererseits könne Regulierung, wie die Erfahrung zeige, kurzfristig verhindert werden; Marktdynamik sei beständiger.

Im Sustainability Reporting sieht Pampel unter dem Aspekt von Management und Controlling sowie aufgrund gesellschaftlicher Verpflichtung eine „wirkliche Notwendigkeit und begrüßenswerten Fortschritt“. Das Klima erhalte aber mehr notwendige Aufmerksamkeit, wenn es separat ergebnisorientiert gemanagt werde. Aufgrund spezifischer ökonomischer Relevanz griffen hier nämlich andere Wirkungsmechanismen, so Pampel. Ökonomischen Argumenten traue er zudem mehr Durchdringungskraft zu. Wenn der Mensch das Klima bestimme, gehe es gar nicht mehr um Nachhaltigkeit, sondern um die Gestaltung des gewünschten Klimas.

„Wir schaffen das!“

Seinen Vortrag schloss Pampel mit den Worten „Wir schaffen das!“. In diesem Sinne wird BAUM gemeinsam mit seinen Partnern auch 2026 Räume schaffen, in denen unternehmerische Lösungen diskutiert und skaliert werden können, und generationenübergreifender Wissensaustausch ermöglichen zwischen Know-how-Träger:innen mit jahrzehntelanger Expertise und jüngeren, exzellent Ausgebildeten. Letztere sind oft hoch motiviert, jedoch in besonderer Weise von der mangelnden Resilienz von Geschäftsmodellen betroffenen und zurzeit ziemlich desillusioniert. Ihnen bietet BAUM als Nachhaltigkeitsnetzwerk eine besondere Gelegenheit anzudocken.

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